ISO-Zertifizierung

ISO 17100 Audit: Wie bereiten sich Übersetzungsunternehmen optimal vor?

Lesezeit: ca. 14 Minuten  |  Autor: Redaktion LinquaCert

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Ein ISO 17100 Audit ist die systematische Prüfung, ob ein Übersetzungsdienstleister die Anforderungen der Norm ISO 17100 in seinen Prozessen, seiner Dokumentation und seinem Qualitätsmanagementsystem tatsächlich einhält. Das Audit wird von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle durchgeführt und ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass ein Übersetzungsbüro ein gültiges ISO-17100-Zertifikat erhält oder dieses aufrechterhalten kann. Für Übersetzungsunternehmen, die Zertifizierungsaudits, Überwachungsaudits oder Rezertifizierungsaudits bevorstehen, stellt sich eine zentrale Frage: Was wird geprüft, welche Unterlagen müssen bereitliegen, und welche Fehler gilt es unbedingt zu vermeiden? Dieser Artikel beantwortet diese Fragen operativ und praxisnah – für Inhaber, Geschäftsführer und Qualitätsmanager, die ihr Unternehmen strukturiert auf das nächste Audit vorbereiten wollen.

Kurz zusammengefasst

Ein ISO 17100 Audit prüft den gesamten Übersetzungsprozess eines Dienstleisters – von der Auftragsannahme über den Revisionsprozess bis zur Lieferung – auf Normkonformität, und das auf Basis vollständiger Dokumentation und nachweisbarer Qualifikationen.

Es gibt drei Audittypen: das Erstzertifizierungsaudit, das jährliche Überwachungsaudit und das Rezertifizierungsaudit nach drei Jahren – jeder Typ hat spezifische Schwerpunkte und Anforderungen an die bereitzustellenden Unterlagen.

Unternehmen, die sich frühzeitig auf häufige Nicht-Konformitäten vorbereiten – besonders bei Qualifikationsnachweisen und Prozessdokumentation – haben im Audit deutlich weniger Korrekturbedarf und kürzere Durchlaufzeiten.

Markus Kukla, LinquaCert

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Wichtiger Hinweis

ISO 17100 gilt ausschliesslich für Übersetzungsprozesse ohne den Einsatz maschineller Übersetzung. Sobald maschinell erzeugte Texte Teil des Prozesses sind, verlässt dieser den Geltungsbereich von ISO 17100. Für Post-Editing-Prozesse gilt stattdessen ISO 18587. Beide Normen dürfen im Audit nicht vermischt werden – weder in der Dokumentation noch in der Beschreibung der Arbeitsabläufe.

Das Wichtigste in Kürze

01

Ein ISO 17100 Audit prüft Prozesse, Dokumentation und Qualifikationen – eine lückenlose Arbeitsablauf-Dokumentation ist die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Prüfung.

02

Überwachungsaudit und Rezertifizierungsaudit folgen dem gleichen normativen Massstab wie das Erstzertifizierungsaudit – eine kontinuierliche Pflege des Qualitätsmanagementsystems ist deshalb keine Option, sondern Pflicht.

03

Nicht-Konformitäten sind keine Ausschlussgründe, sofern dokumentierte Korrekturmassnamen fristgerecht nachgewiesen werden – entscheidend ist der strukturierte Umgang mit Abweichungen.

Praxis-Einschätzung der Experten von LinquaCert

„In der Auditpraxis zeigt sich immer wieder, dass die häufigste Ursache für Nicht-Konformitäten nicht in der gelebten Qualität liegt, sondern in der Lücke zwischen dem, was ein Unternehmen tatsächlich tut, und dem, was es dokumentiert hat. Wer seine Prozesse sauber beschreibt, aktuell hält und nachvollziehbar steuert, ist im Audit strukturell im Vorteil – unabhängig von der Unternehmensgrösse.“

– Experten von LinquaCert, Zertifizierungsstelle für Übersetzungsdienstleister


Was ist ein ISO 17100 Audit und wofür wird es durchgeführt?

Die Entität ISO 17100 bezeichnet eine internationale Norm, die Anforderungen an Übersetzungsdienstleister definiert: in Bezug auf Prozesse, Ressourcen, Qualitätssicherung und Qualifikationen der beteiligten Personen. Ein ISO 17100 Audit ist das formale Prüfverfahren, durch das eine unabhängige Zertifizierungsstelle feststellt, ob ein Übersetzungsdienstleister diese normativen Anforderungen in seiner betrieblichen Realität tatsächlich umsetzt.

Das Audit wird durchgeführt, um Normkonformität objektiv nachzuweisen – gegenüber Kunden, bei Ausschreibungen und als Grundlage für das Ausstellen oder die Verlängerung eines ISO-17100-Zertifikats. Es handelt sich nicht um eine Beratung, sondern um eine neutrale Prüfung auf Basis definierter normativer Kriterien.

Für Übersetzungsunternehmen bedeutet das Audit konkret: Der Auditor prüft, ob die im Qualitätsmanagementsystem beschriebenen Abläufe mit den tatsächlich gelebten Abläufen übereinstimmen und ob beide den Anforderungen von ISO 17100 entsprechen. Theorie und Praxis müssen deckungsgleich sein. Einen umfassenden Überblick über die Bedeutung der ISO-17100-Zertifizierung und ihre Vorteile für Übersetzungsdienstleister bietet ein eigener Beitrag auf dieser Website.

Welche Arten von ISO 17100 Audits gibt es und was sind die Unterschiede?

Es gibt drei Audittypen, die im Zertifizierungszyklus aufeinander folgen:

Erstzertifizierungsaudit

Das Erstzertifizierungsaudit findet statt, wenn ein Übersetzungsdienstleister erstmals eine ISO-17100-Zertifizierung anstrebt. Es ist in der Regel zweistufig: Stufe 1 prüft die Dokumentation und die Bereitschaft des Unternehmens für das eigentliche Audit. Stufe 2 ist das vollständige Systemaudit, bei dem Prozesse, Abläufe und Nachweise vor Ort oder remote geprüft werden.

Überwachungsaudit

Das Überwachungsaudit findet in der Regel jährlich statt und dient dazu, die fortlaufende Einhaltung der Norm im laufenden Betrieb sicherzustellen. Es ist typischerweise schmaler angelegt als das Erstzertifizierungsaudit, aber keineswegs weniger verbindlich. Der Auditor prüft gezielt, ob das Qualitätsmanagementsystem aktuell gehalten wird und ob seit dem letzten Audit Änderungen an Prozessen oder Personal korrekt dokumentiert wurden.

Rezertifizierungsaudit

Das Rezertifizierungsaudit findet nach Ablauf des dreijährigen Zertifizierungszyklus statt und ist in seinem Umfang mit dem Erstzertifizierungsaudit vergleichbar. Das gesamte Managementsystem wird erneut vollständig bewertet. Unternehmen, die den Zertifizierungszyklus lückenlos gepflegt haben, sind hier strukturell im Vorteil.

Wer führt ein ISO 17100 Audit durch und welche Anforderungen muss ein Auditor erfüllen?

Das Audit wird von einem qualifizierten Auditor einer unabhängigen Zertifizierungsstelle durchgeführt. Der Auditor muss sowohl fachliche Kenntnisse im Bereich des Übersetzungswesens als auch Kompetenz in der Auditierung von Managementsystemen mitbringen. Eine unparteiische, von der geprüften Organisation unabhängige Position ist zwingende Voraussetzung.

Zertifizierungsstellen, die Audits nach ISO 17100 durchführen, orientieren sich an den methodischen Vorgaben von ISO/IEC 19011 (Leitfaden zur Auditierung von Managementsystemen). LinquaCert arbeitet als Zertifizierungsstelle nach den Grundsätzen von ISO/IEC 17021, was den strukturellen Rahmen für die Durchführung von Zertifizierungsaudits definiert. LinquaCert ist dabei nicht nach ISO/IEC 17021 akkreditiert – eine Akkreditierung durch eine nationale Akkreditierungsstelle liegt nicht vor.

Für Übersetzungsdienstleister gilt: Ein seriöser Auditor benennt vor dem Audit den geplanten Ablauf, die Prüfbereiche und die erwarteten Unterlagen. Transparenz über den Prüfprozess ist ein Merkmal professioneller Auditdurchführung.

Was wird bei einem ISO 17100 Audit konkret geprüft?

Der Prüfumfang eines ISO 17100 Audits ergibt sich direkt aus dem normativen Inhalt der Norm. Im Kern prüft der Auditor vier Bereiche:

  • Übersetzungsprozess: Ist der vollständige Ablauf von Auftragseingang bis Lieferung normkonform dokumentiert und wird er konsistent eingehalten?
  • Revisionsprozess: Ist der Revisionsprozess als eigenständiger Schritt definiert, der von einer anderen qualifizierten Person durchgeführt wird als der Übersetzer selbst?
  • Qualifikationsnachweise: Sind die eingesetzten Übersetzer und Revisoren gemäss den Anforderungen der Norm qualifiziert und sind diese Qualifikationen nachgewiesen und aktuell?
  • Qualitätsmanagementsystem: Gibt es ein funktionierendes QM-System, das Ziele, Verantwortlichkeiten, Abläufe und Massnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung definiert und dokumentiert?

Der Auditor prüft dabei sowohl Dokumente als auch stichprobenartig konkrete Aufträge – also ob das, was im System steht, in der Praxis auch so gelebt wird.

Welche Prozesse und Abläufe stehen beim ISO 17100 Audit im Mittelpunkt?

ISO 17100 definiert einen Kernprozess, der aus mehreren aufeinander aufbauenden Schritten besteht. Der Auditor prüft, ob dieser Prozess vollständig beschrieben ist und ob alle Schritte in der Praxis nachvollziehbar umgesetzt werden:

  1. Anfrageannahme und Machbarkeitsprüfung: Bewertet das Unternehmen eingehende Aufträge systematisch auf Durchführbarkeit?
  2. Vertragsabschluss und Auftragsvorbereitung: Sind Anforderungen des Kunden dokumentiert und kommuniziert?
  3. Übersetzung: Wird die eigentliche Übersetzung von einer qualifizierten Person durchgeführt?
  4. Revision: Wird die Revision zwingend von einer anderen, ebenfalls qualifizierten Person durchgeführt?
  5. Überprüfung (Review) und ggf. Korrektorat: Sind Abläufe für Lektüre und finale Qualitätskontrolle definiert?
  6. Lieferung und Kundenfeedback: Ist der Lieferprozess inkl. Umgang mit Rückmeldungen des Kunden geregelt?

Besonders kritisch ist die Trennung zwischen Übersetzer und Revisor: Wer selbst übersetzt, darf denselben Text nicht revidieren. Diese personelle Trennung muss im Audit anhand konkreter Auftragsbeispiele nachgewiesen werden.

Welche Qualifikationsnachweise der Übersetzer verlangt der Auditor beim ISO 17100 Audit?

ISO 17100 definiert konkrete Anforderungen an die Qualifikation der eingesetzten Übersetzer und Revisoren. Der Auditor prüft, ob jede im Prozess eingesetzte Person die normativen Anforderungen erfüllt und ob diese Anforderungen dokumentiert und nachweisbar sind.

Die Norm sieht für Übersetzer mehrere anerkannte Qualifikationspfade vor:

  • Ein anerkannter Hochschulabschluss in Übersetzung oder einem verwandten Fachgebiet
  • Ein Hochschulabschluss in einem anderen Fachgebiet kombiniert mit nachweisbarer Übersetzungserfahrung
  • Langjährige Berufserfahrung als Übersetzer mit dokumentierter Fachkompetenz

Für den Audit relevant ist: Diese Nachweise müssen für alle im jeweiligen Auftrag eingesetzten Personen vorhanden und aktuell sein. Der Auditor prüft stichprobenartig, ob konkrete Aufträge mit Personen bearbeitet wurden, die die entsprechenden Nachweise tatsächlich erfüllen.

Fehlende, veraltete oder unvollständige Qualifikationsnachweise sind eine der häufigsten Ursachen für Nicht-Konformitäten im Audit. Besonders Agenturen, die mit externen Freiberuflern arbeiten, müssen sicherstellen, dass die Nachweise aller aktiv eingesetzten Übersetzer vollständig archiviert sind. Detaillierte Informationen zu den Voraussetzungen, dem Ablauf und den Kosten der ISO-17100-Zertifizierung finden sich in einem weiterführenden Beitrag.

Welche Dokumente und Unterlagen müssen Übersetzungsdienstleister für das ISO 17100 Audit bereitstellen?

Eine vollständige, aktuelle Dokumentation ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Audit. Folgende Unterlagen werden typischerweise geprüft:

Prozessdokumentation

  • Beschreibung des gesamten Übersetzungs- und Revisionsprozesses
  • Verfahrensanweisungen für einzelne Prozessschritte
  • Definitionen von Verantwortlichkeiten und Rollen

Qualifikationsnachweise

  • Lebensläufe, Zeugnisse, Diplome oder Qualifikationsnachweise aller aktiv eingesetzten Übersetzer und Revisoren
  • Nachweis der Sprachkombinationen und Fachbereiche der eingesetzten Personen

QM-System-Dokumentation

  • Qualitätspolitik und Qualitätsziele
  • Interne Auditberichte und Massnahmenprotokolle
  • Dokumentation von Nicht-Konformitäten und Korrekturmassnahmen aus vorangehenden Audits

Auftragsunterlagen (Stichproben)

  • Beispielprojekte, die den vollständigen Prozessablauf dokumentieren
  • Nachweise, wer an welchem Auftrag in welcher Rolle beteiligt war

Alle Dokumente müssen aktuell, konsistent und vollständig sein. Veraltete Prozessbeschreibungen, die den tatsächlichen Arbeitsalltag nicht mehr abbilden, sind ein häufiger Befund bei Überwachungsaudits.

Wie läuft ein ISO 17100 Audit von der Anmeldung bis zum Abschluss ab?

Ein typischer Auditprozess folgt einem strukturierten Ablauf, der von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Ausstellung des Zertifikats mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann:

1. Kontaktaufnahme und Angebotserstellung

Der Übersetzungsdienstleister nimmt Kontakt mit der Zertifizierungsstelle auf. Es folgt eine unverbindliche Klärung des Leistungsumfangs, der Auditart und der zeitlichen Planung sowie ein schriftliches Angebot.

2. Stufe 1 – Dokumentenprüfung

Beim Erstzertifizierungsaudit prüft der Auditor zunächst die eingereichten Unterlagen auf Vollständigkeit und Eignung. Offene Punkte werden dem Unternehmen vorab mitgeteilt.

3. Stufe 2 – Systemaudit

Das eigentliche Systemaudit findet vor Ort oder remote statt. Der Auditor führt Interviews, prüft Stichproben aus konkreten Projekten und gleicht dokumentierte Prozesse mit der gelebten Praxis ab.

4. Auditbericht und Feststellungen

Nach dem Audit erstellt der Auditor einen Bericht mit allen Feststellungen. Nicht-Konformitäten werden klassifiziert und das Unternehmen erhält die Möglichkeit, Korrekturmassnahmen einzureichen.

5. Zertifikatsausstellung

Nach erfolgreicher Bewertung aller Feststellungen und – sofern erforderlich – nach Abschluss der Korrekturmassnahmen stellt die Zertifizierungsstelle das ISO-17100-Zertifikat aus. LinquaCert erinnert aktiv an die Erneuerungstermine, sodass kein Zertifikat unbemerkt abläuft.

Wie bereiten sich Übersetzungsbüros optimal auf ein ISO 17100 Audit vor?

Eine strukturierte Vorbereitung ist der wirksamste Weg, um Nicht-Konformitäten zu reduzieren und den Auditprozess effizient zu gestalten. Die folgende ISO 17100 Checkliste gibt einen systematischen Überblick über die wichtigsten Vorbereitungsschritte:

ISO 17100 Audit Checkliste: Vorbereitung

Prozessdokumentation

  • Ist der vollständige Übersetzungs- und Revisionsprozess schriftlich beschrieben und aktuell?
  • Stimmt die Dokumentation mit dem, was täglich getan wird, überein?
  • Sind Rollen und Verantwortlichkeiten klar zugewiesen?

Qualifikationsnachweise

  • Sind für alle aktiv eingesetzten Übersetzer und Revisoren vollständige Qualifikationsnachweise vorhanden?
  • Umfasst die Dokumentation auch externe Freiberufler?
  • Sind die dokumentierten Sprachkombinationen und Fachgebiete korrekt und vollständig?

Revisionssystem

  • Ist die personelle Trennung zwischen Übersetzer und Revisor in jedem Projekt nachweisbar?
  • Gibt es eine revisionierte Stichprobe aus dem letzten Halbjahr, die vollständig dokumentiert ist?

QM-System

  • Sind Qualitätspolitik und Qualitätsziele aktuell formuliert und kommuniziert?
  • Wurden interne Audits durchgeführt und dokumentiert?
  • Gibt es Aufzeichnungen über Nicht-Konformitäten und Korrekturmassnahmen aus der laufenden Periode?

Abgrenzung Maschinelle Übersetzung

  • Ist in der Dokumentation klar geregelt, welche Prozesse unter ISO 17100 fallen und welche – bei Einsatz maschineller Übersetzung – unter ISO 18587?
  • Werden Prozesse mit Maschineneinsatz nicht als ISO-17100-konform deklariert?

Die Vorbereitung sollte als fortlaufender Prozess verstanden werden, nicht als einmalige Aufgabe kurz vor dem Audit. Unternehmen, die ihr Qualitätsmanagementsystem kontinuierlich pflegen, erleben das Audit als Bestätigung – nicht als Überraschung.

Welche typischen Fehler führen beim ISO 17100 Audit zu Nicht-Konformitäten?

In der Auditpraxis treten bestimmte Muster von Nicht-Konformitäten wiederholt auf. Die Kenntnis dieser Fehlerquellen ist der wichtigste Hebel bei der ISO 17100 Audit Vorbereitung:

Veraltete oder fehlende Prozessdokumentation

Prozesshandbücher, die bei der letzten Zertifizierung erstellt wurden und seitdem nicht aktualisiert wurden, spiegeln oft nicht mehr die tatsächlichen Arbeitsabläufe wider. Das ist eine der häufigsten Ursachen für Abweichungen.

Lücken in den Qualifikationsnachweisen externer Übersetzer

Besonders bei Agenturen, die mit einem Pool von Freiberuflern arbeiten, fehlen häufig vollständige Nachweise für alle aktuell eingesetzten Personen. Neuzugänge werden im laufenden Betrieb eingesetzt, ohne dass die Qualifikationsdokumentation vollständig nachgezogen wird.

Fehlende personelle Trennung bei Revision

In kleinen Übersetzungsbüros wird die Revision aus Kapazitätsgründen gelegentlich von derselben Person durchgeführt wie die Übersetzung. Das verstösst direkt gegen die Norm und wird im Audit anhand von Projektunterlagen überprüft.

Keine dokumentierten internen Audits

ISO 17100 setzt ein funktionierendes internes Auditsystem voraus. Unternehmen, die seit der letzten Zertifizierung keine internen Audits durchgeführt oder nicht dokumentiert haben, weisen hier eine Nicht-Konformität auf.

Falsche Einordnung von Prozessen mit Maschineneinsatz

Wenn Prozesse, in denen maschinelle Übersetzung eingesetzt wird, als ISO-17100-konform deklariert werden, ist das eine schwerwiegende Nicht-Konformität. Solche Prozesse fallen nicht in den Geltungsbereich von ISO 17100, sondern unter ISO 18587. Wer beide Normen im Unternehmen einsetzt, sollte sich über die Kompatibilität von ISO 17100 und ISO 18587 und ihre klare prozessuale Abgrenzung informieren.

Auditor prüft Prozessdokumentation eines Übersetzungsunternehmens

Was passiert nach einem ISO 17100 Audit bei festgestellten Abweichungen?

Nicht-Konformitäten im Audit sind kein automatisches Ausschlusskriterium für das Zertifikat – entscheidend ist der strukturierte Umgang damit. Der Auditor unterscheidet in der Regel zwischen:

  • Hauptnicht-Konformitäten: Schwerwiegende Abweichungen, die das gesamte QM-System oder einen zentralen Normbereich betreffen. Ohne Nachweis einer Korrekturmassnnahme kann das Zertifikat nicht ausgestellt oder verlängert werden.
  • Nebennicht-Konformitäten: Kleinere Abweichungen, die innerhalb einer definierten Frist behoben werden müssen. Das Zertifikat kann in der Regel ausgestellt werden, wenn die Korrekturmassnahmen innerhalb der Frist nachgewiesen werden.

Das Unternehmen muss auf jede festgestellte Nicht-Konformität mit einer dokumentierten Korrekturmassnnahme reagieren: Was ist die Ursache? Was wird konkret geändert? Bis wann? Diese Antworten werden schriftlich eingereicht und durch den Auditor bewertet.

Unternehmen, die intern bereits ein System zur Erfassung und Bearbeitung von Nicht-Konformitäten betreiben, können dieses direkt im Audit als Nachweis funktionierender Qualitätssteuerung vorlegen – das ist positiv zu werten.

Was kostet ein ISO 17100 Audit und welche Faktoren beeinflussen den Preis?

Die Kosten eines ISO 17100 Audits variieren je nach mehreren Faktoren. Konkrete Preise werden an dieser Stelle nicht genannt – für eine individuelle Einschätzung empfehlen die Experten von LinquaCert eine unverbindliche Kontaktaufnahme.

Zu den wesentlichen Einflussfaktoren zählen:

  • Unternehmensgrösse: Die Anzahl der Mitarbeiter und externen Dienstleister bestimmt den Prüfaufwand und damit die Auditdauer.
  • Auditart: Ein Erstzertifizierungsaudit ist aufwändiger als ein Überwachungsaudit. Das Rezertifizierungsaudit liegt dazwischen.
  • Standort und Durchführungsform: Remote-Audits können sich im Aufwand von Vor-Ort-Audits unterscheiden.
  • Zertifizierungsumfang: Ob nur ISO 17100 oder zusätzlich ISO 18587 oder ISO 9001 geprüft werden soll, beeinflusst den Gesamtaufwand.

LinquaCert erstellt nach einer unverbindlichen Erstanfrage ein transparentes, individuelles Angebot – ohne versteckte Kosten und mit klarer Beschreibung des Leistungsumfangs.

Wie häufig muss ein ISO 17100 Audit wiederholt werden?

Ein ISO-17100-Zertifikat hat eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren. Innerhalb dieses Zyklus sind Überwachungsaudits – in der Regel jährlich – vorgeschrieben, um die fortlaufende Normkonformität zu bestätigen. Nach Ablauf der drei Jahre muss das Zertifikat durch ein Rezertifizierungsaudit erneuert werden.

Der dreijährige Zertifizierungszyklus in der Übersicht:

  • Jahr 1: Erstzertifizierungsaudit → Zertifikat wird ausgestellt
  • Jahr 2: Überwachungsaudit
  • Jahr 3: Überwachungsaudit
  • Jahr 4 (Beginn neuer Zyklus): Rezertifizierungsaudit → Zertifikat wird erneuert

LinquaCert informiert seine Kunden aktiv über anstehende Auditfristen, sodass kein Zertifikat unbemerkt ausläuft und der Qualitätsnachweis gegenüber Kunden lückenlos erhalten bleibt.

Was ändert sich beim ISO 17100 Audit durch aktuelle Marktentwicklungen wie KI und maschinelle Übersetzung?

Die zunehmende Verbreitung maschineller Übersetzung und KI-gestützter Sprachverarbeitung stellt Übersetzungsunternehmen vor eine klare normative Frage: Was fällt noch unter ISO 17100 – und was nicht mehr?

Die Antwort ist eindeutig: ISO 17100 in seiner aktuell geltenden Fassung gilt ausschliesslich für Übersetzungsprozesse, in denen keine maschinell erzeugten Ausgangstexte verwendet werden. Sobald eine maschinell erzeugte Übersetzung Teil des Workflows ist – gleichgültig, ob sie nachbearbeitet oder lediglich als Referenz verwendet wird – verlässt dieser Prozess den Geltungsbereich der Norm ISO 17100. Für Post-Editing-Prozesse gilt ISO 18587.

Im Audit bedeutet das konkret: Unternehmen müssen klar dokumentieren, welche Prozesse unter welche Norm fallen. Gemischte Workflows, die sowohl menschliche Übersetzung als auch Post-Editing umfassen, erfordern eine saubere prozesstechnische und dokumentarische Trennung. Wie sich KI und maschinelle Übersetzung auf Übersetzungsservices für Unternehmen auswirken und welche Konsequenzen das für Qualitätsstandards hat, beleuchtet ein eigener Beitrag auf dieser Website.

Ausblick: ISO 17100:2026

Es ist geplant, dass ISO 17100 und ISO 18587 in einer zukünftigen Revision – voraussichtlich als ISO 17100:2026 – zusammengeführt werden. Diese Normenentwicklung befindet sich derzeit noch im Prozess und ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht verbindlich in Kraft getreten. Solange die revidierte Fassung nicht offiziell gilt, sind die bestehenden Normen ISO 17100 und ISO 18587 in ihrer aktuellen Fassung massgeblich. Unternehmen sollten diese Entwicklung beobachten, um ihren Zertifizierungsrahmen rechtzeitig anpassen zu können.

LinquaCert begleitet zertifizierte Unternehmen durch normative Änderungen und informiert aktiv, wenn neue Anforderungen verbindlich werden.

Wie unterscheidet sich ein ISO 17100 Audit von einem ISO 18587 Audit?

Für Übersetzungsunternehmen, die beide Prozessarten anbieten – rein menschliche Übersetzung und Post-Editing –, ist die Unterscheidung zwischen einem ISO 17100 Audit und einem ISO 18587 Audit operativ entscheidend.

ISO 17100 Audit vs. ISO 18587 Audit: Gegenüberstellung

Kriterium ISO 17100 Audit ISO 18587 Audit
Geltungsbereich Menschliche Übersetzungsprozesse ohne Maschineneinsatz Post-Editing maschinell erzeugter Übersetzungen
Kernprozess im Audit Übersetzung + Revision durch zwei verschiedene Personen Post-Editing (vollständig oder leicht) durch qualifizierte Post-Editoren
Qualifikationsanforderungen Qualifikation als Übersetzer und Revisor gemäss ISO 17100 Qualifikation als Post-Editor gemäss ISO 18587
Maschineller Übersetzungseinsatz Nicht zulässig im Geltungsbereich der Norm Grundvoraussetzung des Prozesses
Zertifizierbar durch LinquaCert Ja Ja
Kombinierbar Ja, wenn Prozesse klar dokumentarisch getrennt sind

Gegenüberstellung zweier Normen für Übersetzungs- und Post-Editing-Prozesse

Häufige Fragen zum ISO 17100 Audit

Kann ein Übersetzungsbüro das Audit auch remote absolvieren?

Remote-Audits sind grundsätzlich möglich und werden von LinquaCert angeboten. Entscheidend ist, dass alle relevanten Dokumente, Systeme und Ansprechpersonen während des Audits zugänglich sind und der Prozess vollständig nachvollzogen werden kann – unabhängig vom Durchführungsformat.

Was passiert, wenn ein Unternehmen das Überwachungsaudit versäumt?

Wird ein Überwachungsaudit nicht fristgerecht durchgeführt, riskiert das Unternehmen den Verlust des Zertifikatsstatus. LinquaCert erinnert aktiv an anstehende Auditfristen. Unternehmen sollten Termine frühzeitig abstimmen, um Lücken im Qualitätsnachweis zu vermeiden und bei Ausschreibungen handlungsfähig zu bleiben.

Gilt ein ISO-17100-Zertifikat von LinquaCert international?

Das ISO-17100-Zertifikat von LinquaCert belegt die Konformität mit einer international anerkannten Norm und wird von Kunden und Auftraggebern weltweit als Qualitätsnachweis anerkannt. LinquaCert ist nicht staatlich akkreditiert; das Zertifikat stützt sich auf die Unabhängigkeit und Fachkompetenz der Zertifizierungsstelle sowie auf die Integrität des Auditprozesses.

Ihr nächstes ISO 17100 Audit: Gut vorbereitet mit LinquaCert

Ein ISO 17100 Audit ist kein bürokratisches Hindernis – es ist die Möglichkeit, die Qualität Ihres Übersetzungsprozesses objektiv und für Kunden sichtbar zu machen. Übersetzungsunternehmen, die strukturiert vorbereitet sind, erleben das Audit als Bestätigung ihrer täglichen Arbeit.

LinquaCert begleitet Übersetzungsdienstleister als unabhängige Schweizer Zertifizierungsstelle durch den gesamten Auditprozess – transparent, fachkundig und mit klarem Fokus auf Ihre Prozessrealität. Ob Erstzertifizierung, Überwachungsaudit oder Rezertifizierung: Wir erläutern Ihnen den Ablauf, nennen Ihnen alle relevanten Anforderungen und erstellen ein individuelles Angebot – unverbindlich und ohne Vorleistung Ihrerseits.

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