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Machine Translation Post-Editing (MTPE): Was ist das und welche Qualitätsanforderungen gelten?

⏱ Lesezeit: ca. 18 Minuten  |  ✍ Redaktion LinquaCert

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Machine Translation Post-Editing – kurz MTPE – bezeichnet den strukturierten Prozess, bei dem ein qualifizierter Post-Editor die Rohausgabe eines maschinellen Übersetzungssystems so überarbeitet, dass das Ergebnis einem definierten Qualitätsstandard entspricht. MTPE ist keine Variante der klassischen Übersetzung, sondern ein eigenständiger Sprachdienstleistungsprozess mit eigener Norm, eigenen Kompetenzanforderungen und eigenen Qualitätsbewertungsrahmen. Für Sprachdienstleister, die diesen Prozess professionell einsetzen wollen, stellt sich damit eine zentrale Frage: Welche Standards gelten, wie werden sie gemessen – und wie lässt sich Normkonformität gegenüber Kunden und Auftraggebern glaubwürdig nachweisen?

Kurz zusammengefasst

Machine Translation Post-Editing ist ein geregelter Qualitätsprozess, bei dem menschliche Post-Editoren maschinell erzeugte Übersetzungen systematisch nachbearbeiten – geregelt durch die internationale Norm ISO 18587.

Je nach Verwendungszweck des Zieltexts wird zwischen Full Post-Editing und Light Post-Editing unterschieden, die unterschiedliche Qualitätsziele und Arbeitsumfänge definieren.

Eine ISO 18587-Zertifizierung schafft für Sprachdienstleister einen überprüfbaren Qualitätsnachweis, der sich klar von nicht-zertifizierten Angeboten unterscheidet und in Ausschreibungen sowie bei anspruchsvollen Kunden zum Vorteil werden kann.

Markus Kukla, LinquaCert

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⚠ Wichtiger Hinweis

ISO 18587 und ISO 17100 regeln unterschiedliche Prozesse und dürfen nicht verwechselt werden. Sobald maschinell erzeugter Übersetzungsoutput mit anschliessendem Post-Editing Bestandteil eines Übersetzungsprozesses ist, fällt dieser Prozess in den Geltungsbereich von ISO 18587 – nicht von ISO 17100. Eine doppelte Zertifizierung nach beiden Normen ist möglich, wenn ein Sprachdienstleister beide Prozessarten anbietet, sie müssen jedoch klar getrennt geführt werden.

Das Wichtigste in Kürze

01

MTPE ist ein eigenständiger Sprachdienstleistungsprozess, der durch ISO 18587 normiert wird und klar von klassischen Übersetzungsprozessen nach ISO 17100 zu unterscheiden ist.

02

Post-Editoren müssen spezifische Kompetenzen nachweisen, die über klassische Übersetzungsfähigkeiten hinausgehen – darunter Kenntnisse im Umgang mit NMT-Systemen, CAT-Tools und Qualitätsbewertungsrahmen wie dem MQM-Framework.

03

Eine ISO 18587-Zertifizierung durch LinquaCert dokumentiert, dass der MTPE-Prozess eines Sprachdienstleisters systematisch und nachprüfbar geregelt ist – ein überprüfbarer Vorteil gegenüber nicht-zertifizierten Wettbewerbern.

Praxis-Einschätzung der Experten von LinquaCert

„Viele Sprachdienstleister unterschätzen, wie gross der Unterschied zwischen einem informell eingesetzten Post-Editing-Schritt und einem normkonformen MTPE-Prozess tatsächlich ist. ISO 18587 verlangt nicht nur Qualität im Ergebnis, sondern Nachvollziehbarkeit im gesamten Prozess – von der Auswahl der Post-Editoren über die Qualitätsbewertung bis hin zur Kundenkommunikation. Genau hier trennt sich im Audit, wer tatsächlich strukturiert arbeitet.“

— Experten von LinquaCert


1. Was ist Machine Translation Post-Editing und wie unterscheidet es sich von klassischer Übersetzung?

Machine Translation Post-Editing (MTPE) bezeichnet den professionellen Prozess, bei dem ein ausgebildeter Post-Editor den Output eines maschinellen Übersetzungssystems – heute in der Regel eines Neural Machine Translation (NMT)-Systems – analysiert, korrigiert und so aufbereitet, dass der Zieltext einem vereinbarten Qualitätsstandard entspricht.

Der fundamentale Unterschied zur klassischen Übersetzung liegt nicht nur im Ausgangsmaterial, sondern im gesamten kognitiven Prozess: Ein klassischer Übersetzer erarbeitet den Zieltext ausgehend vom Ausgangstext eigenständig. Ein Post-Editor hingegen bewertet, korrigiert und optimiert einen bereits vorhandenen maschinell erzeugten Text. Diese Tätigkeit erfordert ein anderes Kompetenzprofil – sie verlangt unter anderem die Fähigkeit, typische Fehlermuster maschineller Übersetzungssysteme zu erkennen, mit Translation-Memory-Systemen und CAT-Tools effizient zu arbeiten und Qualitätsbewertungen strukturiert zu dokumentieren.

MTPE ist kein vereinfachtes Lektorat. Es ist ein eigenständiger Sprachdienstleistungsprozess mit eigener internationaler Norm: ISO 18587. Prozesse, bei denen maschinell erzeugter Übersetzungsoutput durch menschliche Post-Editoren nachbearbeitet wird, fallen in den Geltungsbereich dieser Norm – nicht in den von ISO 17100, die Übersetzungsprozesse ohne Maschineneinsatz regelt.

2. Welche zwei Post-Editing-Typen gibt es und wann wird welcher eingesetzt?

ISO 18587 unterscheidet zwei Formen des Post-Editings: Full Post-Editing et Light Post-Editing. Die Wahl des Typs richtet sich nach dem Verwendungszweck des Zieltexts, den Kundenanforderungen und den vereinbarten Qualitätszielen.

Full Post-Editing zielt auf einen Zieltext, der in Qualität und Wirkung einer professionellen Humanübersetzung entspricht. Es wird eingesetzt, wenn der Text publiziert wird, rechtliche oder regulatorische Relevanz hat oder in sensiblen Kommunikationsbereichen zum Einsatz kommt.

Light Post-Editing zielt darauf ab, den maschinellen Output auf ein Mindestniveau an Verständlichkeit und sachlicher Korrektheit zu bringen. Es ist nicht auf stilistische Exzellenz ausgerichtet und eignet sich für interne Informationstexte, kurze Lebenszyklen oder sehr hohe Volumen, bei denen Schnelligkeit Vorrang vor Ausdrucksqualität hat. Die Entscheidung zwischen beiden Typen muss immer explizit zwischen Sprachdienstleister und Kunden vereinbart und dokumentiert werden.

3. Was ist Full Post-Editing und welche Qualitätsstandards gelten dabei?

Full Post-Editing bezeichnet die vollständige menschliche Nachbearbeitung eines maschinell erzeugten Zieltexts mit dem Ziel, ein Ergebnis zu liefern, das einer professionellen Humanübersetzung entspricht. Der Post-Editor überprüft dabei sämtliche relevanten Qualitätsdimensionen: inhaltliche Richtigkeit, sprachliche Korrektheit, terminologische Konsistenz, stilistische Angemessenheit und Textkohärenz.

Die Qualitätsanforderungen beim Full Post-Editing orientieren sich an den vereinbarten Zielqualitäten und werden typischerweise anhand von Qualitätsbewertungsrahmen wie dem MQM-Framework (Multidimensional Quality Metrics) operationalisiert. Fehlerklassen, Schweregrade und Akzeptanzgrenzen werden im Vorfeld definiert und im Auftrag dokumentiert.

Full Post-Editing ist das Standardverfahren für publizierungsfähige Texte, Kundenkommunikation, technische Dokumentation, rechtliche Texte sowie alle Inhalte, bei denen sprachliche Qualität und inhaltliche Präzision für den Empfänger direkt relevant sind. Es erfordert Post-Editoren mit nachgewiesener Sprachkompetenz, Fachkenntnissen und Erfahrung im Umgang mit NMT-Ausgaben.

4. Was ist Light Post-Editing und für welche Inhalte ist es geeignet?

Light Post-Editing beschränkt sich auf die Korrektur schwerwiegender inhaltlicher Fehler, Missverständnisse und klarer sprachlicher Unkorrektheiten. Ziel ist kein stilistisch ausgefeilter Text, sondern ein verständlicher und sachlich korrekter Zieltext, der seinen Informationszweck erfüllt.

Typische Einsatzgebiete für Light Post-Editing sind:

  • Interne Kommunikation und interne Berichte ohne Aussenwirkung
  • Grosse Textvolumen mit kurzer Nutzungsdauer
  • Informationstexte, bei denen vollständige Verständlichkeit ausreicht
  • Erstinformation und Vorsichtung von Dokumenten in mehrsprachigen Prozessen

Entscheidend ist, dass Light Post-Editing nicht als kostengünstige Variante von Full Post-Editing missverstanden wird. Es ist ein bewusst eingeschränktes Verfahren mit klar definierten Qualitätsgrenzen, das explizit vereinbart, dokumentiert und gegenüber dem Kunden kommuniziert werden muss. Der Einsatz ohne Kundenaufklärung und schriftliche Vereinbarung wäre aus Qualitäts- und Transparenzgesichtspunkten nicht normkonform.

5. Welche Kompetenzen muss ein professioneller Post-Editor nachweisen?

ISO 18587 stellt klare Anforderungen an das Kompetenzprofil von Post-Editoren. Diese gehen über die klassischen Übersetzerkompetenzen hinaus und umfassen spezifische Fähigkeiten, die für die Arbeit mit maschinell erzeugtem Übersetzungsoutput erforderlich sind.

Geforderte Kompetenzen im Überblick:

  • Sprachkompetenz: Ausgeprägte aktive Kompetenz in der Zielsprache sowie Verständnis der Ausgangssprache auf einem Niveau, das die Plausibilitätsprüfung der maschinellen Ausgabe ermöglicht
  • Fachkompetenz: Kenntnisse im jeweiligen Fachgebiet des zu übersetzenden Inhalts
  • Technologiekompetenz: Umgang mit CAT-Tools, Translation-Memory-Systemen und den eingesetzten NMT-Systemen
  • MTPE-spezifische Kompetenz: Kenntnis typischer maschineller Fehlertypen, Fähigkeit zur effizienten Fehlerkorrektur und Bewertung nach vereinbarten Qualitätsrahmen
  • Recherchekompetenz: Effiziente Nutzung von Terminologiedatenbanken, Fachreferenzen und weiteren Ressourcen

Die Norm verlangt, dass Sprachdienstleister die Kompetenzen ihrer Post-Editoren überprüfen, dokumentieren und sicherstellen, dass nur geeignete Personen mit entsprechenden Aufgaben betraut werden. Dies umfasst die Überprüfung von Ausbildungsnachweisen, Qualifikationen und nachgewiesener Erfahrung.

6. Was regelt ISO 18587 für den MTPE-Prozess?

ISO 18587 – offizieller Titel: „Translation services – Post-editing of machine translation output – Requirements“ – ist die internationale Norm, die Anforderungen an den Prozess des Post-Editings maschinell erzeugter Übersetzungen definiert. Sie legt fest, was Sprachdienstleister, die MTPE anbieten, systematisch regeln, dokumentieren und nachweisen müssen.

Die Norm regelt unter anderem:

  • Anforderungen an den MTPE-Prozessablauf von der Auftragserteilung bis zur Lieferung
  • Kompetenzen und Qualifikationen, die Post-Editoren nachweisen müssen
  • Anforderungen an die Vereinbarung des Post-Editing-Typs (Full oder Light) mit dem Kunden
  • Qualitätssicherungsmassnahmen und deren Dokumentation
  • Anforderungen an die Transparenz gegenüber Kunden, einschliesslich der Information über den Einsatz maschineller Übersetzung
  • Verantwortlichkeiten des Sprachdienstleisters für den gesamten Prozess

ISO 18587 definiert damit einen verbindlichen Rahmen, der MTPE als professionellen Sprachdienstleistungsprozess von informellen oder unkontrollierten Praktiken unterscheidet. Sprachdienstleister, die nach dieser Norm arbeiten, haben ihren Prozess systematisch geregelt und können dies gegenüber Kunden und Auftraggebern nachweisen.

7. Welche Pflichten entstehen für Sprachdienstleister durch ISO 18587?

Sprachdienstleister, die MTPE nach ISO 18587 anbieten, übernehmen eine Reihe konkreter Verpflichtungen, die über die blosse Qualitätskontrolle des Endresultats hinausgehen. Die Norm verlangt eine systematische Regelung des gesamten Prozesses.

Zentrale Pflichten im Überblick:

  • Kundenkommunikation: Der Kunden muss über den Einsatz maschineller Übersetzung informiert werden; Art und Umfang des Post-Editings müssen klar vereinbart werden.
  • Auswahl geeigneter Post-Editoren: Nur Personen mit nachgewiesenen Kompetenzen dürfen Post-Editing-Aufgaben übernehmen; dies muss dokumentiert sein.
  • Prozessdokumentation: Alle relevanten Schritte des MTPE-Prozesses müssen nachvollziehbar dokumentiert sein.
  • Qualitätssicherung: Es müssen Massnahmen zur Überprüfung der Post-Editing-Qualität definiert und umgesetzt werden.
  • Verantwortlichkeit: Der Sprachdienstleister trägt die Gesamtverantwortung für die Qualität des gelieferten Zieltexts, unabhängig davon, ob interne oder externe Post-Editoren eingesetzt werden.

Diese Anforderungen machen deutlich, dass ISO 18587 nicht nur auf das Endprodukt schaut, sondern den gesamten Prozessrahmen gestaltet. Sprachdienstleister, die die Norm ernst nehmen, bauen damit eine nachvollziehbare Qualitätsarchitektur auf, die sich im Audit belegen lässt.

Illustration zu Machine Translation PostEditing

8. Wie unterscheiden sich die Anforderungen von ISO 18587 und ISO 17100 im direkten Vergleich?

ISO 17100 und ISO 18587 regeln grundlegend verschiedene Sprachdienstleistungsprozesse und dürfen nicht miteinander vermischt werden. Für Sprachdienstleister, die beide Prozessarten anbieten, ist eine klare organisatorische und dokumentarische Trennung unerlässlich.

ISO 17100 vs. ISO 18587 – Direktvergleich

Kriterium ISO 17100 ISO 18587
Geltungsbereich Übersetzungsprozesse ohne maschinell erzeugten Output als Grundlage Post-Editing von maschinell erzeugtem Übersetzungsoutput
Kernakteur Übersetzer Post-Editor
Ausgangsmaterial Ausgangstext (human) Maschinell erzeugter Zieltext (NMT-Output)
Kompetenzanforderungen Übersetzerqualifikation, Fachkompetenz Übersetzerqualifikation + MTPE-spezifische Kompetenz, Technologieverständnis
Qualitätsstufen Eine definierte Zielqualität (publikationsfertig) Full Post-Editing / Light Post-Editing (nach Vereinbarung)
Kundentransparenz Prozessablauf nach Norm Explizite Vereinbarung und Information über Maschineneinsatz und Post-Editing-Typ
Normentwicklung Aktuelle Fassung in Überarbeitung Aktuelle Fassung in Überarbeitung

Hinweis: Beide Normen werden aktuell weiterentwickelt. Solange keine neue verbindliche Fassung veröffentlicht ist, gelten die jeweils gültigen Anforderungen der bestehenden Normen.

9. Wie läuft ein zertifizierter MTPE-Workflow nach ISO 18587 konkret ab?

Ein normkonformer MTPE-Prozess ist kein improvisierter Ablauf, sondern ein strukturierter Workflow mit klar definierten Schritten und Verantwortlichkeiten. Die folgende Darstellung beschreibt den typischen Ablauf eines zertifizierten MTPE-Projekts:

1

Anfrage und Auftragsklärung

Sprachdienstleister und Kunde klären Umfang, Sprachkombination, Inhaltstyp, gewünschten Post-Editing-Typ (Full oder Light), Qualitätsziele und Lieferbedingungen. Der Einsatz maschineller Übersetzung wird explizit kommuniziert und vereinbart.

2

Maschinelle Übersetzung

Der Ausgangstext wird durch das eingesetzte NMT-System übersetzt. Bei der Auswahl des Systems und der Vorbereitung (z. B. Terminologieintegration, Segmentierung) wird auf Konsistenz und Qualität des Outputs geachtet.

3

Auswahl und Beauftragung des Post-Editors

Der zuständige Post-Editor wird anhand der dokumentierten Kompetenzen ausgewählt. Kompetenznachweis und Eignung für das jeweilige Fachgebiet und die Sprachkombination sind vorab geprüft und dokumentiert.

4

Post-Editing

Der Post-Editor bearbeitet den maschinellen Output im CAT-Tool nach den vereinbarten Qualitätszielen. Korrekturen werden entsprechend dem vereinbarten Post-Editing-Typ (Full oder Light) vorgenommen.

5

Qualitätsprüfung

Die Qualität des post-editierten Texts wird anhand definierter Kriterien und Qualitätsbewertungsrahmen überprüft. Befunde werden dokumentiert.

6

Lieferung und Dokumentation

Der fertige Zieltext wird geliefert. Alle prozessrelevanten Schritte, Zuständigkeiten und Qualitätsbefunde sind vollständig dokumentiert und für ein Audit nachvollziehbar.

10. Welche Qualitätsbewertungsrahmen werden beim Post-Editing eingesetzt?

Die Qualitätsbewertung von post-editierten Texten basiert auf strukturierten Rahmen, die Fehlertypen, Schweregrade und Akzeptanzgrenzen operationalisieren. Der in der Branche am weitesten verbreitete Rahmen für professionelles Post-Editing ist das MQM-Framework (Multidimensional Quality Metrics).

MQM strukturiert Fehler nach einer hierarchischen Taxonomie mit Fehlerkategorien wie Terminologie, Genauigkeit, Sprachqualität, Stil, Lokalität und Logik. Jeder Fehler wird einem Schweregrad zugeordnet (Minor, Major, Critical), und aus der Gesamtbewertung ergibt sich ein messbarer Qualitätsscore für den untersuchten Text.

Neben MQM werden in der Praxis auch eingesetzt:

  • LISA QA Model: Ein älterer, aber in bestimmten Branchen noch verwendeter Fehlerklassifikationsrahmen
  • SAE J2450: Branchenspezifisches Qualitätsbewertungsschema, insbesondere in der Automobilindustrie
  • Kundenspezifische QA-Rahmen: Grosse Auftraggeber definieren häufig eigene Qualitätsbewertungssysteme, die Post-Editoren kennen und anwenden müssen

Die Wahl des Qualitätsbewertungsrahmens sollte im Rahmen der Auftragsklärung mit dem Kunden abgestimmt und dokumentiert werden. Sie bestimmt massgeblich, wie Qualitätsmessungen durchgeführt und Ergebnisse kommuniziert werden.

11. Wie wird die Qualität von post-editierten Texten messbar gemacht?

Qualitätsmessung im MTPE-Prozess bedeutet, subjektive Eindrücke durch strukturierte, reproduzierbare Bewertungsverfahren zu ersetzen. Dazu werden Stichproben des post-editierten Outputs durch eine prüfende Person – typischerweise einen zweiten qualifizierten Post-Editor oder einen Revisor – anhand des vereinbarten Qualitätsbewertungsrahmens bewertet.

Typische Qualitätsmessmethoden umfassen:

  • Error-Rate-Messung: Auszählung von Fehlertypen und -schweren bezogen auf eine definierte Einheit (z. B. pro 1.000 Wörter), Vergleich mit Akzeptanzgrenzen
  • Translation Quality Assessment (TQA): Strukturierte Bewertung von Zieltext-Segmenten nach definierten Dimensionen
  • Revision nach der Vier-Augen-Kontrolle: Unabhängige Überprüfung des post-editierten Texts durch einen zweiten Fachmann
  • Dokumentation und Trendanalyse: Systematische Aufzeichnung von Qualitätsbefunden über mehrere Projekte hinweg, um Muster und Optimierungspotenziale zu erkennen

Messbare Qualität ist für ein ISO 18587-Audit unverzichtbar: Sprachdienstleister müssen nachweisen können, dass ihre Qualitätsprüfung systematisch, dokumentiert und nachvollziehbar durchgeführt wird – nicht nur im Einzelfall, sondern als konsistenter Prozessbestandteil.

12. Welche CAT-Tools und Technologien unterstützen den MTPE-Prozess?

Professionelles Post-Editing findet heute in der Regel innerhalb von CAT-Tools (Computer-Assisted Translation Tools) statt, die speziell für die Integration von maschinellen Übersetzungsoutputs in den menschlichen Nachbearbeitungsprozess ausgestattet sind. Die Technologiebasis ist dabei keine Randerscheinung, sondern ein Kernbestandteil des normkonformen MTPE-Workflows.

Relevante Technologiekomponenten im MTPE-Workflow:

  • CAT-Tools mit MT-Integration: Plattformen wie SDL Trados Studio, memoQ, Phrase (ehem. Memsource), Wordfast und andere bieten direkte NMT-Integrationen, die den maschinellen Output als Vorschlag im Bearbeitungsfenster anzeigen.
  • Translation Memory (TM): Gespeicherte Übersetzungspaare aus früheren Projekten helfen Post-Editoren, Konsistenz zu wahren und Wiederholungen effizient zu verarbeiten.
  • Terminologieverwaltung: Integrierte Termdatenbanken stellen sicher, dass vereinbarte Fachterminologie im post-editierten Text korrekt angewendet wird.
  • QA-Module: Automatisierte Qualitätsprüfungen innerhalb der CAT-Tools überprüfen Konsistenz, Zahlenformate, Tags und weitere formale Kriterien vor der Lieferung.
  • Track-Changes-Funktionen: Ermöglichen die Dokumentation der vorgenommenen Korrekturen am maschinellen Output – relevant für Qualitätsbewertung und Prozessdokumentation.

Post-Editoren müssen mit diesen Technologien vertraut sein. Die Norm ISO 18587 verlangt entsprechend Technologiekompetenz als Teil des Anforderungsprofils an Post-Editoren. Sprachdienstleister sind verantwortlich dafür, dass ihre Post-Editoren die eingesetzten Systeme professionell beherrschen.

13. Wie wird die MTPE-Rate berechnet und was gilt als Orientierung?

Die MTPE-Rate bezeichnet die Vergütung für Post-Editing-Leistungen und wird typischerweise pro Wort des Ausgangs- oder Zieltexts berechnet. Da die Nachbearbeitungsintensität stark vom maschinellen Output-Qualitätsniveau, dem Inhaltstyp und dem vereinbarten Post-Editing-Typ abhängt, variiert die Rate erheblich.

Faktoren, die die MTPE-Rate beeinflussen:

  • Art des Post-Editings (Full vs. Light)
  • Qualität und Konsistenz des maschinellen Outputs
  • Komplexität und Fachlichkeit des Inhalts
  • Sprachkombination und Sprachrichtung
  • Einsatz und Qualität von Translation Memorys und Terminologieressourcen

In der Praxis wird die MTPE-Rate in der Regel als prozentualer Abschlag zur klassischen Übersetzungsrate definiert oder direkt als Wortpreis vereinbart. Konkrete Preise oder Richtwerte nennen wir in diesem Rahmen nicht, da diese von den spezifischen Projektbedingungen abhängen und marktspezifisch erheblich variieren.

Wichtig ist, dass die MTPE-Rate und die zugrunde liegende Berechnungsmethode klar und transparent im Auftrag gegenüber dem Kunden ausgewiesen werden – insbesondere wenn Full Post-Editing und Light Post-Editing zu unterschiedlichen Konditionen angeboten werden.

14. Welche Inhaltstypen sind für Machine Translation Post-Editing geeignet und welche nicht?

Nicht jeder Inhalt profitiert gleichermassen vom MTPE-Ansatz. Die Eignung hängt vom Texttyp, der Sprachkombination, der Qualität des verfügbaren Trainingsdatenmaterials des NMT-Systems und den konkreten Qualitätszielen ab.

Gut geeignet für MTPE:

  • Technische Dokumentation mit repetitiver Struktur
  • Bedienungsanleitungen und Handbücher
  • Standardisierte Produktbeschreibungen und Kataloge
  • Interne Kommunikation und administrative Texte
  • Hohe Textvolumen mit einheitlichem Stil und Terminologie

Weniger oder nicht geeignet für MTPE:

  • Kreative und literarische Texte, die sprachliche Originalität erfordern
  • Marketingkommunikation mit hohem rhetorischem Anspruch
  • Texte mit starker kultureller Einbettung oder Humorelementen
  • Hochkomplexe juristische oder notarielle Dokumente, bei denen jede Formulierung rechtliche Wirkung hat
  • Seltenere Sprachkombinationen, für die keine ausreichenden NMT-Trainingsdaten vorliegen

Sprachdienstleister sollten für jeden Auftrag prüfen, ob MTPE dem Inhaltstyp und den Kundenerwartungen gerecht wird – und diese Einschätzung vor der Auftragsannahme transparent kommunizieren.

15. Wie kommunizieren Sprachdienstleister MTPE-Leistungen transparent gegenüber Kunden?

Transparenz ist eine Kernforderung von ISO 18587 und gleichzeitig ein wesentlicher Vertrauensfaktor in der Kundenbeziehung. Kunden haben ein berechtigtes Interesse daran zu wissen, ob ihr Text mit menschlicher Übersetzung oder mit maschinellem Output plus Post-Editing erstellt wurde – und welche Qualitätsziele dabei gelten.

Normkonforme Kundenkommunikation umfasst mindestens:

  • Klare Information, dass maschinelle Übersetzung im Prozess eingesetzt wird
  • Schriftliche Vereinbarung, welcher Post-Editing-Typ (Full oder Light) angewendet wird
  • Definition der vereinbarten Qualitätsziele und ggf. der eingesetzten Qualitätsbewertungsrahmen
  • Klare Beschreibung, was im Rahmen des beauftragten Post-Editing-Typs inbegriffen ist und was nicht

Diese Transparenz schützt beide Seiten: Den Kunden vor unerfüllten Erwartungen und den Sprachdienstleister vor Qualitätsdiskussionen über vereinbarte Liefergrenzen hinaus. Ein zertifiziertes MTPE-Angebot mit klarer Leistungsbeschreibung ist ein höherwertiges Angebot als ein unspezifisches „Übersetzungsangebot mit KI-Unterstützung“.

16. Welche häufigen Fehlertypen treten bei maschinellen Übersetzungen auf, die Post-Editoren korrigieren müssen?

Neural Machine Translation-Systeme liefern heute in vielen Bereichen beeindruckend flüssigen Output – aber sie produzieren spezifische, wiederkehrende Fehlertypen, die erfahrene Post-Editoren kennen und zuverlässig identifizieren müssen.

Typische Fehlertypen im NMT-Output:

  • Halluzinationen: Inhaltlich plausibel klingende, aber sachlich falsche Aussagen, die im Ausgangstext keine Grundlage haben – ein kritischer Fehlertyp, der inhaltliche Korrektheit gefährdet
  • Terminologiefehler: Falsche oder inkonsistente Wiedergabe von Fachbegriffen, insbesondere wenn kein terminologisches Vorwissen in das System integriert wurde
  • Auslassungen und Hinzufügungen: Teile des Ausgangstexts werden verschwiegen oder Inhalte ohne Grundlage im Ausgangstext hinzugefügt
  • Falsche Zahlen und Einheiten: Konvertierungs- oder Formatierungsfehler bei Ziffern, Währungen, Massangaben
  • Stilbrüche: Wechsel im Formalitätsniveau, Registerfehler oder unpassende idiomatische Ausdrücke
  • Syntaktische Fehler: Grammatikalisch korrekte, aber im Zielsprachenkontext unnatürlich klingende Konstruktionen
  • Kulturell unangemessene Übertragungen: Idiome, Redewendungen oder kulturspezifische Referenzen, die wörtlich übertragen werden und im Zielsprachenkontext unverständlich oder unpassend sind

Das Bewusstsein für diese Fehlertypen ist ein wesentlicher Bestandteil des Kompetenzprofils eines professionellen Post-Editors. Sprachdienstleister sollten sicherstellen, dass ihre Post-Editoren sowohl im Erkennen als auch im effizienten Korrigieren dieser Fehlermuster geschult sind.

17. Wie bereitet sich ein Übersetzungsunternehmen auf ein ISO 18587 Audit vor?

Die Vorbereitung auf ein ISO 18587 Audit durch LinquaCert erfordert, dass Sprachdienstleister ihren MTPE-Prozess nicht nur gut managen, sondern ihn auch nachvollziehbar dokumentieren können. Der Auditor prüft, ob die Anforderungen der Norm systematisch und konsistent umgesetzt werden.

Zentrale Vorbereitungsschritte:

  • Prozessdokumentation aufbauen: Alle Schritte des MTPE-Workflows müssen schriftlich definiert und mit klaren Verantwortlichkeiten belegt sein.
  • Kompetenzprofile der Post-Editoren dokumentieren: Qualifikationsnachweise, Ausbildungen, Erfahrungsnachweise und Kompetenzbewertungen müssen für alle eingesetzten Post-Editoren vorliegen.
  • Qualitätssicherungsmassnahmen definieren und belegen: Wie werden Qualitätsprüfungen durchgeführt, dokumentiert und ausgewertet?
  • Kundenkommunikationsunterlagen prüfen: Auftragsformulare, Angebote und Verträge müssen den Post-Editing-Typ, den Maschineneinsatz und die Qualitätsziele transparent und schriftlich ausweisen.
  • Musterakten und Projektdokumentationen bereitstellen: Konkrete MTPE-Projekte müssen als Belege für die normkonforme Prozessumsetzung vorliegen.
  • Abgrenzung zu anderen Prozessen sicherstellen: Wenn der Sprachdienstleister sowohl klassische Übersetzungen als auch MTPE anbietet, müssen beide Prozesse klar getrennt dokumentiert sein.

LinquaCert begleitet den Zertifizierungsprozess strukturiert: Auf eine unverbindliche Kontaktaufnahme und ein Erstgespräch folgt ein Angebot, bevor das eigentliche Audit stattfindet. Das Audit-Ergebnis wird dokumentiert und bei erfolgreicher Bewertung mit einem Zertifikat abgeschlossen.

Wichtig: LinquaCert ist eine unabhängige Zertifizierungsstelle, die nach ISO/IEC 17021 arbeitet, jedoch nicht nach dieser Norm akkreditiert ist. Das Zertifikat bestätigt die systematische Konformität des MTPE-Prozesses mit ISO 18587 – auf Basis eines transparenten, benchmarkfähigen Auditverfahrens.

18. Welche Vorteile bringt eine ISO 18587 Zertifizierung für kleine und mittlere Sprachdienstleister?

Eine ISO 18587 Norm-Konformität ist keine exklusive Domäne grosser Agenturen. Für kleine und mittlere Sprachdienstleister kann der Qualitätsnachweis besonders wirkungsvoll sein – weil er Vertrauen schafft, das ohne Markenbekanntheit oder langjährige Kundenbeziehungen sonst schwer zu vermitteln ist.

Konkrete Vorteile im Überblick:

  • Differenzierung im Wettbewerb: Ein ISO-Zertifikat nach ISO 18587 unterscheidet einen Sprachdienstleister eindeutig von Anbietern, die MTPE ohne nachgewiesenen Qualitätsprozess anbieten.
  • Zugangsberechtigung bei Ausschreibungen: Viele Auftraggeber – insbesondere aus dem öffentlichen Sektor, der Pharmaindustrie oder der Technologiebranche – verlangen Nachweise normkonformer Qualitätsprozesse als Teilnahmevoraussetzung bei Ausschreibungen.
  • Vertrauensaufbau bei neuen Kunden: Das Zertifikat vermittelt Neukunden einen objektiven, unabhängig geprüften Beleg für die Prozessqualität – ohne dass der Sprachdienstleister auf Referenzprojekte oder persönliche Reputation allein angewiesen ist.
  • Interne Prozessklarheit: Die Normkonformitätsprüfung zwingt zur strukturierten Reflexion und Verbesserung der eigenen Prozesse – ein Nebeneffekt, der die operative Effizienz steigern kann.
  • Internationale Anerkennung: ISO 18587 ist eine internationale Norm, deren Anforderungen in vielen Ländern und Märkten bekannt und anerkannt sind.

Für Sprachdienstleister, die MTPE als strategische Dienstleistung positionieren möchten, ist die ISO 18587 Zertifizierung ein Instrument, das Glaubwürdigkeit schafft, die sich nicht allein durch Marketingaussagen ersetzen lässt.


Illustration zu Machine Translation PostEditing

Häufige Fragen zu Machine Translation Post-Editing

Kann ein Sprachdienstleister gleichzeitig nach ISO 17100 und ISO 18587 zertifiziert sein?

Ja, eine Zertifizierung nach beiden Normen ist möglich, wenn der Sprachdienstleister beide Prozessarten anbietet. Entscheidend ist, dass klassische Übersetzungsprozesse und MTPE-Prozesse klar voneinander getrennt dokumentiert und organisatorisch abgegrenzt werden. Mischprozesse ohne klare Zuordnung sind weder der einen noch der anderen Norm zuzuordnen.

Muss ein Post-Editor zwingend ausgebildeter Übersetzer sein?

ISO 18587 verlangt nachgewiesene Sprachkompetenz, Fachkompetenz und MTPE-spezifische Fähigkeiten. Eine formale Ausbildung als Übersetzer ist ein relevanter Kompetenznachweis, aber nicht zwingend die einzige Möglichkeit. Entscheidend ist, dass die Kompetenzen überprüft, dokumentiert und dem Aufgabenbereich angemessen sind.

Werden ISO 17100 und ISO 18587 in naher Zukunft zusammengeführt?

Beide Normen werden derzeit überarbeitet und weiterentwickelt. Solange keine neue verbindliche Norm veröffentlicht ist, gelten die aktuell gültigen Fassungen von ISO 17100 und ISO 18587 unverändert. Zertifizierungen werden auf Basis der heute geltenden Normanforderungen durchgeführt.

MTPE professionell positionieren – mit einem überprüfbaren Qualitätsnachweis

Machine Translation Post-Editing wird in vielen Sprachdienstleistungsmärkten zur Standardpraxis. Wer dabei als professioneller Anbieter wahrgenommen werden möchte, braucht mehr als gute Ergebnisse – er braucht einen nachvollziehbaren, dokumentierten und extern geprüften Prozess.

LinquaCert zertifiziert Sprachdienstleister nach ISO 18587 – auf Basis eines transparenten Auditverfahrens, das benchmarkfähige Ergebnisse liefert und klar zeigt, wo ein Prozess normkonform ist und wo Entwicklungsbedarf besteht. Als unabhängige Schweizer Zertifizierungsstelle, die nach ISO/IEC 17021 arbeitet, ist LinquaCert eine neutrale Prüfinstanz ohne eigene Übersetzungsleistungen.

Nehmen Sie unverbindlich Kontakt auf – und erfahren Sie, welche konkreten Schritte eine ISO 18587 Zertifizierung für Ihr Unternehmen bedeutet.

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