Maschinelle Übersetzung professionell einsetzen
Maschinelle Übersetzung professionell einsetzen: Warum ISO 18587 immer wichtiger wird
Lesezeit: ca. 14 Minuten · Autor: Redaktion LinquaCert
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Post-Editing
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MTPE-Workflow
Maschinelle Übersetzung ist längst kein Experiment mehr. Neural Machine Translation (NMT) liefert in vielen Sprachkombinationen Ergebnisse, die ohne professionelle Nachbearbeitung kaum von menschlichen Übersetzungen zu unterscheiden sind – und trotzdem regelmässig zu kostspieligen Fehlern führen, wenn kein strukturierter Prozess dahintersteht. Für Übersetzungsdienstleister, die maschinelle Übersetzung professionell einsetzen wollen, ist die Frage deshalb nicht mehr ob, sondern wie: mit welchem Qualitätsrahmen, welchen Normen und welchem Nachweis gegenüber Kunden und Auftraggebern.
Dieser Artikel erklärt, was einen professionellen MT-Einsatz im Jahr 2026 ausmacht, welche Rolle die internationale Norm ISO 18587 dabei spielt und wie Übersetzungsagenturen und Sprachdienstleister diesen Standard im eigenen Betrieb umsetzen und zertifizieren lassen können.
Kurz zusammengefasst
Maschinelle Übersetzung wird nur dann professionell eingesetzt, wenn strukturiertes Post-Editing, qualifizierte Linguisten und ein dokumentierter Qualitätsprozess zusammenwirken. ISO 18587 ist die massgebliche internationale Norm, die genau diese Anforderungen an den MTPE-Workflow definiert. Eine Zertifizierung nach ISO 18587 macht den professionellen Einsatz maschineller Übersetzung nachweisbar und schafft messbares Vertrauen bei Kunden und Auftraggebern.
Wichtiger Hinweis
ISO 18587 regelt den Post-Editing-Prozess maschinell erstellter Übersetzungen und richtet sich an Übersetzungsdienstleister, die MT-Output systematisch in professionelle Workflows integrieren. Die Norm ersetzt ISO 17100 nicht, sondern ergänzt sie. Wer beide Normen anwendet, deckt das gesamte Spektrum menschlicher und maschinell unterstützter Übersetzungsdienstleistungen normkonform ab.
Das Wichtigste in Kürze
Professioneller MT-Einsatz bedeutet immer: strukturiertes Post-Editing durch qualifizierte Linguisten, dokumentierte Prozesse und messbare Qualitätskriterien – nicht bloss das Hochladen von Text in ein Übersetzungs-Tool.
ISO 18587 legt international anerkannte Anforderungen an Post-Editoren, Dienstleister und den MTPE-Prozess fest und ist die zentrale Norm für jeden Sprachdienstleister, der MT seriös anbieten will.
Eine Zertifizierung durch eine akkreditierte Stelle wie LinquaCert belegt die Norm-Konformität unabhängig und nachvollziehbar – und verschafft zertifizierten Anbietern einen messbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber nicht zertifizierten Mitbewerbern.
Praxis-Einschätzung der Experten von LinquaCert
„In Audits stellen wir immer wieder fest, dass Übersetzungsdienstleister MT-Tools im Einsatz haben, aber weder den Post-Editing-Prozess dokumentiert noch die Qualifikationen ihrer Post-Editoren systematisch erfasst haben. Genau das sind die Punkte, die ISO 18587 adressiert – und die im Ernstfall den Unterschied zwischen einem nachweisbaren Qualitätsprozess und einem blossen Behauptung ausmachen.“
— Experten von LinquaCert, Zürich
Was bedeutet „maschinelle Übersetzung professionell einsetzen“ im Jahr 2026?
Der Begriff „professionell“ hat im Kontext maschineller Übersetzung eine sehr konkrete Bedeutung. Er bezeichnet keinen bestimmten Technologiestandard und kein bestimmtes Tool, sondern einen Prozess: die systematische, dokumentierte und qualitätsgesicherte Integration von MT-Output in Übersetzungsdienstleistungen.
Professioneller MT-Einsatz umfasst im Jahr 2026 mindestens drei Dimensionen: erstens die Auswahl geeigneter MT-Engines und Texttypen, zweitens ein definiertes Post-Editing-Verfahren mit qualifizierten Linguisten, und drittens eine transparente Kommunikation gegenüber Kunden darüber, welche Leistung maschinell und welche menschlich erbracht wird. Wer alle drei Dimensionen abdeckt, handelt im Sinne der internationalen Normen – und kann dies auch nachweisen. Welche Trends Übersetzungsbüros im Jahr 2026 kennen sollten, zeigt ein eigener Beitrag auf dieser Website.
Übersetzungsdienstleister, die MT ausschliesslich als Kostensenkungsinstrument betrachten, ohne Qualitätsprozesse zu definieren, riskieren nicht nur schlechte Übersetzungsqualität, sondern auch Reputationsschäden und den Verlust von Aufträgen, bei denen Kunden und Auftraggeber einen dokumentierten Qualitätsnachweis verlangen.
Welche Arten von maschineller Übersetzung gibt es – und welche eignet sich für den professionellen Einsatz?
Maschinelle Übersetzung umfasst verschiedene technologische Ansätze. Die regelbasierte Übersetzung (RBMT) arbeitet mit linguistischen Regeln und Wörterbüchern, liefert strukturierte Ergebnisse, ist aber starr und wartungsintensiv. Statistische Verfahren (SMT) lernten aus parallelen Korpora, sind aber heute weitgehend von neuronalen Systemen abgelöst worden.
Neural Machine Translation (NMT) ist heute der Standard im professionellen Umfeld. Systeme wie DeepL, Google Translate Neural, ModernMT oder systemeigene, domänenspezifisch trainierte Engines liefern kontextsensitive, flüssig lesbare Übersetzungen in vielen Sprachpaaren. Für den professionellen Einsatz geeignet sind insbesondere domänenspezifisch angepasste NMT-Engines, die auf unternehmens- oder brancheneigenen Daten trainiert wurden.
Generative KI-Modelle (grosse Sprachmodelle) spielen ebenfalls eine zunehmende Rolle, erfordern jedoch besonders sorgfältige Qualitätskontrolle, da ihre Ausgaben nicht deterministisch sind und Halluzinationen produzieren können. Wie KI Übersetzungsservices für Unternehmen grundlegend verändert, beleuchtet ein weiterführender Beitrag auf dieser Website. Für den zertifizierbaren professionellen Einsatz ist eine dokumentierbare, reproduzierbare MT-Engine-Grundlage entscheidend.
Welche Risiken entstehen, wenn maschinelle Übersetzung ohne professionellen Rahmen eingesetzt wird?
Die Risiken eines unprofessionellen MT-Einsatzes lassen sich in drei Kategorien einteilen: Qualitätsrisiken, rechtliche Risiken und Reputationsrisiken. Qualitätsrisiken entstehen durch ungeprüften MT-Output, der terminologische Fehler, sinnentstellende Übersetzungen oder kulturell unangemessene Formulierungen enthält. Diese können in technischen, medizinischen oder rechtlichen Texten gravierende Folgen haben.
Rechtliche Risiken entstehen, wenn Kunden nicht darüber informiert werden, dass maschinelle Übersetzung eingesetzt wird, oder wenn die Qualität nicht den vertraglichen Anforderungen entspricht. In regulierten Branchen – etwa Pharma, Medizinprodukte oder Recht – können fehlerhafte Übersetzungen darüber hinaus Compliance-Probleme auslösen.
Reputationsrisiken betreffen Übersetzungsdienstleister direkt: Wer MT ohne dokumentierten Prozess anbietet, kann bei Qualitätsbeschwerden keine nachvollziehbare Grundlage vorweisen. Kunden, die Qualitätsnachweise im Rahmen von Ausschreibungen verlangen, werden solche Anbieter systematisch ausschliessen.
Was ist der Unterschied zwischen roher maschineller Übersetzung und Post-Editing?
Rohe maschinelle Übersetzung – auch als „raw MT“ oder „gist translation“ bezeichnet – ist der unbearbeitete Output einer MT-Engine. Sie eignet sich für das schnelle Verstehen von Inhalten (etwa zur internen Information), nicht aber für die Veröffentlichung, Weitergabe an Dritte oder den Einsatz in produktionskritischen Kontexten.
Post-Editing (PE) bezeichnet die systematische Überarbeitung von MT-Output durch einen qualifizierten menschlichen Linguisten. Ziel ist es, den Text auf das vereinbarte Qualitätsniveau zu heben – entweder auf das Niveau einer vollständigen, veröffentlichungsfähigen Übersetzung (Full Post-Editing, FPE) oder auf ein zwecktaugliches, für den internen Gebrauch geeignetes Niveau (Light Post-Editing, LPE).
Der Unterschied ist also grundsätzlich: Rohe MT ist ein technischer Output. Post-Editing ist eine definierte Dienstleistung mit klaren Qualitätsanforderungen, Prozessschritten und Verantwortlichkeiten – die von ISO 18587 normiert wird. Nur MTPE, nicht rohe MT, ist im professionellen Übersetzungsmarkt als Dienstleistung angemessen positionierbar.
Was regelt ISO 18587 für den professionellen Einsatz maschineller Übersetzung?
ISO 18587 ist die internationale Norm für die „Übersetzung – Post-Editing von maschinell erstellten Übersetzungen“. Sie wurde 2017 vom Internationalen Normungsinstitut (ISO) veröffentlicht und definiert verbindliche Anforderungen an den gesamten MTPE-Prozess: von der Projektvorbereitung über die Post-Editing-Tätigkeit bis zur Qualitätskontrolle und -sicherung.
Die Norm legt unter anderem fest, welche Informationen zwischen Kunden und Dienstleistern vor Beginn eines MTPE-Projekts ausgetauscht werden müssen, wie Full Post-Editing und Light Post-Editing zu unterscheiden und zu dokumentieren sind, welche Kompetenzen Post-Editoren mitbringen müssen und wie die Qualität des Endprodukts zu prüfen ist.
Damit schafft ISO 18587 einen einheitlichen Referenzrahmen, der für Übersetzungsdienstleister, Kunden, Auftraggeber und Zertifizierungsstellen gleichermassen gilt. Sie ist die Grundlage für jeden Qualitätsnachweis im Bereich maschinell unterstützter Übersetzung. Mehr Informationen zur ISO-18587-Zertifizierung bei LinquaCert finden Sie auf der entsprechenden Übersichtsseite.
Welche Anforderungen stellt ISO 18587 an Übersetzer und Dienstleister?
ISO 18587 stellt Anforderungen auf zwei Ebenen: an die handelnden Personen (Post-Editoren) und an die Organisation (Übersetzungsdienstleister). Für Post-Editoren verlangt die Norm Kompetenzen in der Zielsprache auf muttersprachlichem Niveau, Fachkenntnisse im jeweiligen Sachgebiet, Kenntnisse der Ausgangssprache und – spezifisch für MTPE – das Verständnis typischer MT-Fehlerquellen sowie die Fähigkeit, diese effizient zu korrigieren.
Für Dienstleister definiert die Norm Prozessanforderungen: die schriftliche Vereinbarung des Post-Editing-Umfangs mit Kunden, die Auswahl geeigneter MT-Engines für den jeweiligen Texttyp, die Bereitstellung von Richtlinien und Referenzunterlagen für Post-Editoren sowie die Durchführung von Qualitätsprüfungen am Endprodukt.
Darüber hinaus verlangt ISO 18587 eine klare Dokumentation aller projektrelevanten Entscheidungen – welche MT-Engine wurde eingesetzt, welche Post-Editing-Stufe wurde gewählt, welche Qualitätsprüfung hat stattgefunden. Diese Dokumentation ist sowohl für interne Qualitätsprozesse als auch für externe Audits durch Zertifizierungsstellen unverzichtbar.
Wie verhält sich ISO 18587 zu ISO 17100 im professionellen Workflow?
ISO 17100 ist die Norm für Übersetzungsdienstleistungen, die auf menschlicher Übersetzung basieren. Sie definiert Anforderungen an Übersetzer, Revisoren, Projektmanager, Prozessabläufe und die Nutzung von Ressourcen wie Translation Memorys und Terminologiedatenbanken. ISO 18587 ergänzt diesen Rahmen für den Fall, dass der Übersetzungsprozess maschinell unterstützt wird.
Ein Übersetzungsdienstleister, der beide Normen anwendet, kann das gesamte Leistungsspektrum professioneller Sprachdienstleistungen abdecken: rein menschliche Übersetzung nach ISO 17100 und MTPE-Leistungen nach ISO 18587. In vielen modernen Workflows greifen beide Normen ineinander: Translation Memorys aus ISO-17100-Projekten können die MT-Engine-Anpassung unterstützen, und CAT-Tool-Umgebungen werden sowohl für klassische Übersetzung als auch für Post-Editing genutzt.
Für Übersetzungsdienstleister, die beide Leistungstypen anbieten, empfiehlt sich eine integrierte Zertifizierung, die beiden Normen gerecht wird. LinquaCert begleitet Unternehmen beim Aufbau kombinierter Zertifizierungsstrategien auf Basis von ISO 17100 und ISO 18587.
Welche Texttypen eignen sich für den professionellen MT-Einsatz – und welche nicht?
Für den professionellen MTPE-Einsatz besonders geeignet sind Texttypen mit hohem Standardisierungsgrad, klar definierter Terminologie und einem Schreibstil mit geringem kreativem Spielraum. Dazu gehören technische Dokumentationen, Bedienungsanleitungen, Produktbeschreibungen, IT-Dokumentationen, standardisierte Vertragsklauseln, FAQ-Texte und behördliche Formulare. Diese Texte lassen sich gut trainieren, weisen strukturell wiederholende Muster auf und profitieren von MT-Engines, die auf domänenspezifischen Daten angepasst wurden.
Weniger geeignet – und in manchen Fällen grundsätzlich problematisch – sind kreative Texte (Werbetexte, Slogans, Literatur), hochspezialisierte Rechtsdokumente mit individueller Gestaltung, Texte mit starkem kulturellem Bezug sowie Texte, bei denen Ton, Stil und implizite Bedeutungsebenen für das Ergebnis entscheidend sind.
Ebenfalls kritisch zu handhaben sind Texte aus regulierten Bereichen wie Medizin, Arzneimittel und Medizinprodukte oder Finanzkommunikation – nicht weil MT hier grundsätzlich ausgeschlossen wäre, sondern weil der Post-Editing-Aufwand und die Qualitätsprüfungsanforderungen erheblich höher sind und die Verantwortlichkeiten klar geregelt sein müssen.
Wie wird ein professioneller MTPE-Workflow aufgebaut?
Ein professioneller MTPE-Workflow folgt einer klar definierten Abfolge von Schritten, die dokumentiert und reproduzierbar sein müssen. Er beginnt mit der Projektvorbereitung: Texttyp-Analyse, Auswahl der MT-Engine, Festlegung der Post-Editing-Stufe (Full oder Light), Bereitstellung von Glossaren, Styleguides und Translation Memorys.
Im zweiten Schritt erfolgt die MT-Ausgabe: Der Ausgangstext wird durch die ausgewählte Engine übersetzt und der MT-Output dem Post-Editor in der CAT-Tool-Umgebung bereitgestellt. Dabei werden Translation Memorys und Terminologiedatenbanken eingebunden, um Konsistenz zu gewährleisten.
Im dritten Schritt führt der qualifizierte Post-Editor die Überarbeitung durch – entsprechend der vereinbarten Stufe. Beim Full Post-Editing werden alle sprachlichen, inhaltlichen und stilistischen Aspekte auf das Niveau einer menschlichen Übersetzung angehoben. Beim Light Post-Editing werden primär Fehler korrigiert, die die Verständlichkeit und sachliche Richtigkeit beeinträchtigen.
Abschliessend findet eine Qualitätsprüfung statt – entweder durch einen Revisor oder durch automatisierte Qualitätsprüfwerkzeuge in der CAT-Tool-Umgebung –, bevor das fertige Dokument an den Kunden übergeben wird. Alle Schritte werden dokumentiert und können im Rahmen eines Audits nachgewiesen werden.
Welche CAT-Tools und MT-Engines lassen sich professionell kombinieren?
CAT-Tools (Computer-Assisted Translation Tools) wie SDL Trados Studio, memoQ, Phrase (ehemals Memsource), Wordfast oder Déjà Vu bilden die zentrale Arbeitsumgebung im professionellen MTPE-Workflow. Sie ermöglichen die nahtlose Integration von MT-Engines, Translation Memorys und Terminologiedatenbanken in eine einzige Benutzeroberfläche und machen den Arbeitsaufwand des Post-Editors messbar und auswertbar.
MT-Engines können über Plugins oder APIs direkt in die CAT-Tool-Umgebung eingebunden werden. Gängige Optionen für den professionellen Einsatz sind DeepL Pro (API), Google Cloud Translation, Amazon Translate, ModernMT (mit aktivem Lernen aus Translation Memorys) oder systemeigene, auf Kundendaten trainierte Engines. Entscheidend ist nicht die Wahl einer bestimmten Engine, sondern dass die Wahl begründet, dokumentiert und regelmässig überprüft wird.
Für zertifizierungsfähige Prozesse ist ausserdem relevant, dass die Datenschutzanforderungen beim Einsatz von Cloud-basierten MT-Engines berücksichtigt werden: Vertrauliche Inhalte dürfen nur über Engines verarbeitet werden, die keine Trainingsdaten aus Kundeninhalten verwenden oder entsprechende Vereinbarungen (Data-Processing-Agreements) bieten.
Wie wird Qualität im maschinellen Übersetzungsprozess gemessen und gesichert?
Qualitätsmessung im MTPE-Prozess erfolgt auf mehreren Ebenen. Automatisierte Metriken wie BLEU, TER (Translation Edit Rate) oder HTER (Human-Targeted TER) liefern quantitative Hinweise auf die Ähnlichkeit zwischen MT-Output und Referenzübersetzung, sind aber allein nicht ausreichend für eine professionelle Qualitätsbewertung. Sie können als Screening-Instrument eingesetzt werden, um besonders fehlerhafte Segmente zu identifizieren.
Die zentrale Qualitätssicherungsmethode im professionellen MTPE ist die menschliche Revision: Ein Revisor prüft den post-editierten Text anhand definierter Qualitätskriterien – Genauigkeit, Sprachqualität, Terminologiekonsistenz, Formatierung – und bewertet Fehler nach einem dokumentierten Fehlertypologieschema, etwa dem MQM-Framework (Multidimensional Quality Metrics).
Darüber hinaus empfiehlt ISO 18587 eine regelmässige Bewertung der Post-Editing-Leistung: Wie gross ist der durchschnittliche Bearbeitungsaufwand pro Segment? Welche Fehlertypen treten systematisch auf? Diese Daten helfen Dienstleistern, ihre MT-Engine-Wahl, ihr Training und ihren Workflow kontinuierlich zu verbessern.
Was sind die Unterschiede zwischen Full Post-Editing und Light Post-Editing?
Full Post-Editing (FPE) zielt auf ein Qualitätsniveau ab, das mit einer menschlichen Übersetzung vergleichbar ist. Der Post-Editor überarbeitet den MT-Output vollständig: sachliche Korrektheit, grammatikalische Richtigkeit, stilistische Angemessenheit, Terminologiekonformität und Lesbarkeit werden vollständig sichergestellt. Das Ergebnis ist veröffentlichungsfähig und entspricht den Qualitätsanforderungen, die auch für humanübersetzte Texte gelten.
Light Post-Editing (LPE) zielt auf ein niedrigeres, aber zwecktaugliches Qualitätsniveau ab. Der Post-Editor korrigiert primär Fehler, die die Verständlichkeit oder sachliche Richtigkeit beeinträchtigen – stilistische Anpassungen, flüssige Formulierungen und strukturelle Überarbeitungen sind nicht Bestandteil des Auftrags. LPE-Texte eignen sich für interne Informationszwecke, aber nicht für die externe Kommunikation oder Veröffentlichung.
ISO 18587 verlangt, dass die gewählte Post-Editing-Stufe vor Projektbeginn schriftlich mit dem Kunden vereinbart wird und dass Post-Editoren entsprechend briefed werden. Die Vermischung beider Stufen ohne klare Abgrenzung ist ein häufiger Fehler in der Praxis und führt zu inkonsistenter Qualität und Erwartungskonflikten.
Welche Qualifikationen müssen Post-Editoren für den professionellen Einsatz mitbringen?
ISO 18587 definiert ein Kompetenzprofil für Post-Editoren, das über das klassische Übersetzer-Profil hinausgeht. Neben sprachlicher Kompetenz in Ausgangs- und Zielsprache sowie Fachkenntnissen im jeweiligen Sachgebiet verlangt die Norm spezifische Post-Editing-Kompetenzen: das Erkennen typischer MT-Fehler (falsche Wortstellung, Sinnentstellungen durch fehlerhafte Satzgrenzerkennung, fehlerhafte Terminologie), effizientes Arbeiten mit MT-Output (nicht zu viel, nicht zu wenig bearbeiten) und die Nutzung von CAT-Tool-Umgebungen.
Klassisch ausgebildete Übersetzer sind nicht automatisch geeignete Post-Editoren. Viele neigen dazu, MT-Output zu vollständig neu zu übersetzen (Over-Editing), was den Effizienzgewinn des MT-Einsatzes zunichtemacht, oder sie sind zu wenig kritisch gegenüber flüssig klingendem, aber sachlich falschem MT-Output (Under-Editing).
Übersetzungsdienstleister, die ISO 18587 umsetzen wollen, sollten in die Schulung ihrer Post-Editoren investieren und Nachweise über die erworbenen Kompetenzen dokumentieren – sowohl für interne Qualitätszwecke als auch im Hinblick auf externe Audits.
Wie kann eine ISO-Zertifizierung den professionellen MT-Einsatz absichern und nachweisen?
Eine Zertifizierung nach ISO 18587 durch eine akkreditierte Stelle ist der verlässlichste Weg, den professionellen MT-Einsatz gegenüber Kunden, Auftraggebern und der eigenen Unternehmensleitung nachzuweisen. Sie bestätigt, dass ein unabhängiger Dritter die Prozesse, Ressourcen und Qualitätssicherungsmassnahmen des Dienstleisters geprüft und als normkonform beurteilt hat.
Der Zertifizierungsprozess bei LinquaCert folgt einem klar strukturierten Ablauf: unverbindliche Kontaktaufnahme, Angebotsstellung, Dokumentenprüfung, Audit vor Ort oder remote, Zertifikatserteilung und regelmässige Überwachungsaudits. Das ausgestellte Zertifikat dokumentiert den Geltungsbereich, das auditierte Normwerk und die Gültigkeitsdauer.
LinquaCert ist nach ISO/IEC 17021 akkreditiert – dem internationalen Standard für vertrauenswürdige Zertifizierungsstellen. Das bedeutet, dass die Zertifikate von LinquaCert international anerkannt werden und benchmarkfähige Auditergebnisse liefern, die über eine blosse Selbstauskunft weit hinausgehen.
Welche Vorteile bietet eine zertifizierte Stelle gegenüber nicht zertifizierten Anbietern?
Der entscheidende Vorteil liegt in der Unabhängigkeit und Nachvollziehbarkeit. Nicht zertifizierte Anbieter können behaupten, ISO 18587 zu folgen – ein externer Nachweis fehlt. Zertifizierte Dienstleister haben ihre Prozesse und Qualifikationen durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle prüfen lassen. Das ist ein grundlegender Unterschied in jeder Ausschreibungssituation.
In der Praxis bedeutet das: Zertifizierte Dienstleister können bei Ausschreibungen von Grossunternehmen, öffentlichen Auftraggebern und internationalen Kunden einen konkreten Qualitätsnachweis vorlegen. Viele Ausschreibungen verlangen inzwischen explizit ISO-Zertifikate als Auswahlkriterium oder Mindestvoraussetzung. Nicht zertifizierte Anbieter scheiden in solchen Verfahren von vornherein aus.
Darüber hinaus stärkt die Zertifizierung das Vertrauen bestehender Kunden: Sie erhalten die Sicherheit, dass der Dienstleister seinen MT-Einsatz nicht nur behauptet, sondern nachweislich professionell gestaltet. Das ist ein Argument, das in der Kundenkommunikation und im Angebotswesen gezielt eingesetzt werden kann.
Wie kommunizieren Übersetzungsdienstleister den professionellen MT-Einsatz gegenüber Kunden?
Transparenz ist die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Kundenkommunikation rund um maschinelle Übersetzung. Kunden müssen wissen, wann MT eingesetzt wird, welche Post-Editing-Stufe angewendet wird und was die Konsequenzen für das Qualitätsniveau des Endprodukts sind. Diese Kommunikation gehört in Angebote, Verträge und Projektbriefings – nicht erst dann, wenn Qualitätsfragen aufkommen.
Professionelle Dienstleister unterscheiden in ihren Angeboten klar zwischen humanübersetzten Texten (nach ISO 17100), MTPE-Texten mit Full Post-Editing (nach ISO 18587, FPE) und MTPE-Texten mit Light Post-Editing (nach ISO 18587, LPE). Diese Differenzierung schafft Klarheit, ermöglicht eine faire Preisgestaltung und schützt beide Parteien vor Missverständnissen.
Ein ISO-Zertifikat nach ISO 18587 stärkt dabei die Glaubwürdigkeit dieser Kommunikation erheblich: Es belegt, dass die gemachten Aussagen über den MTPE-Prozess nicht bloss Marketingbehauptungen sind, sondern durch einen unabhängigen Audit bestätigt wurden.
Welche häufigen Fehler machen Unternehmen beim Einstieg in den professionellen MT-Einsatz?
Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von Tool-Einsatz mit Prozess. Ein Unternehmen, das DeepL in seinen Workflow integriert, setzt MT ein – aber noch nicht professionell. Professioneller Einsatz entsteht erst durch die systematische Kombination aus geeigneter Engine, definierten Post-Editing-Schritten, qualifizierten Linguisten und dokumentierten Qualitätsprüfungen.
Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die fehlende Texttyp-Selektion: Nicht alle Texte eignen sich für MT, und das Übersehen dieser Unterscheidung führt zu Qualitätsproblemen, die aufwendig nachgebessert werden müssen. Ebenfalls problematisch ist die fehlende Kommunikation gegenüber Kunden: Wenn MT eingesetzt wird, ohne den Kunden zu informieren, entsteht ein Vertrauensproblem, das auch durch nachträgliche Qualitätsnachweise schwer zu beheben ist.
Schliesslich unterschätzen viele Unternehmen den Schulungsbedarf ihrer Post-Editoren. Klassisch ausgebildete Übersetzer benötigen gezielte Trainings, um effizient und qualitätsbewusst mit MT-Output zu arbeiten. Wer diese Investition scheut, zahlt sie langfristig durch Over-Editing, Under-Editing und inkonsistente Qualität.
Übersicht: Professioneller MT-Einsatz – MTPE-Stufen im Vergleich
| Kriterium | Light Post-Editing (LPE) | Full Post-Editing (FPE) | Humanübersetzung (ISO 17100) |
|---|---|---|---|
| Zielqualität | Zwecktauglich, verständlich | Veröffentlichungsfähig | Veröffentlichungsfähig, menschlich |
| Normgrundlage | ISO 18587 | ISO 18587 | ISO 17100 |
| Geeignete Texttypen | Interne Texte, Informationstexte | Technische Doku, Produkttexte | Recht, Kreativ, Regulatorik |
| Post-Editor erforderlich | Ja, qualifiziert nach ISO 18587 | Ja, qualifiziert nach ISO 18587 | Übersetzer + Revisor nach ISO 17100 |
| Stilistische Anpassung | Nicht im Scope | Vollständig | Vollständig |
| Zertifizierbar durch LinquaCert | Ja | Ja | Ja |
| Extern kommunizierbar | Mit Einschränkungen | Ja, als Qualitätsmerkmal | Ja, als Qualitätsmerkmal |
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Häufige Fragen
Kann ein kleines Übersetzungsbüro ISO 18587 umsetzen und zertifiziert werden?
Ja. ISO 18587 definiert Anforderungen an Prozesse und Qualifikationen, nicht an Unternehmensgrösse. Auch kleine Sprachdienstleister können normkonform arbeiten und sich zertifizieren lassen – sofern ihre Prozesse dokumentiert und ihre Post-Editoren entsprechend qualifiziert sind. LinquaCert begleitet Unternehmen jeder Grösse durch den Zertifizierungsprozess. Jetzt unverbindlich Kontakt aufnehmen.
Müssen wir eine bestimmte MT-Engine einsetzen, um ISO 18587 zu erfüllen?
Nein. ISO 18587 ist technologieneutral. Die Norm schreibt keine bestimmte MT-Engine vor, sondern verlangt, dass die Auswahl der Engine begründet, dokumentiert und auf den jeweiligen Texttyp abgestimmt ist. Entscheidend ist der Prozess, nicht das Werkzeug. Datenschutzanforderungen beim Engine-Einsatz müssen jedoch berücksichtigt und dokumentiert werden.
Wie lange dauert der Zertifizierungsprozess nach ISO 18587 bei LinquaCert?
Die Dauer hängt vom Reifegrad Ihrer bestehenden Prozesse ab. Nach der unverbindlichen Kontaktaufnahme und Angebotsstellung folgt eine Dokumentenprüfung, anschliessend das Audit. Unternehmen mit bereits dokumentierten Prozessen können den Zertifizierungsprozess in wenigen Wochen abschliessen. LinquaCert gibt im Erstgespräch eine realistische Einschätzung des Zeitrahmens.
Maschinelle Übersetzung professionell einsetzen – und nachweisbar machen
Übersetzungsdienstleister, die maschinelle Übersetzung heute professionell einsetzen, sichern sich damit nicht nur Qualitätsvorteile, sondern schaffen auch die Grundlage für nachhaltiges Wachstum in einem Markt, der Transparenz und Norm-Konformität zunehmend voraussetzt. ISO 18587 bietet den international anerkannten Rahmen dafür – und eine Zertifizierung durch LinquaCert macht diesen Rahmen nach aussen sichtbar und benchmarkfähig.
LinquaCert ist eine unabhängige Schweizer Zertifizierungsgenossenschaft, akkreditiert nach ISO/IEC 17021, und zertifiziert Übersetzungsdienstleister seit 2003 nach ISO 17100, ISO 18587 und ISO 9001. Nehmen Sie jetzt unverbindlich Kontakt auf – unsere Experten begleiten Sie von der ersten Einschätzung bis zur Zertifikatserteilung.
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