Qualität & Standards

Qualitätssicherung bei Übersetzungen: Welche Verfahren brauchen professionelle Sprachdienstleister wirklich?

Lesezeit: ca. 14 Minuten  |  Redaktion LinquaCert

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Qualitätssicherung bei Übersetzungen ist kein optionales Zusatzverfahren, sondern das strukturierte Fundament jedes professionellen Sprachdienstleisters. Sie umfasst alle organisatorischen, linguistischen und technischen Massnahmen, die sicherstellen, dass ein Übersetzungsprodukt den vereinbarten Anforderungen entspricht – bevor es den Kunden erreicht. Während in der Fertigungsindustrie Qualitätssicherung primär Prozess- und Produktparameter beschreibt, bezieht sie sich im Übersetzungsbereich auf sprachliche Korrektheit, terminologische Konsistenz, Stilangemessenheit und normenkonforme Abläufe.

Für Inhaber und Qualitätsmanager von Übersetzungsbüros stellt sich die Frage nicht, ob Qualitätssicherung nötig ist, sondern wie sie so aufgebaut wird, dass sie bei Ausschreibungen, Kundenprüfungen und Zertifizierungsaudits standhält. Dieser Artikel beschreibt die relevanten Methoden, Standards und Prozesse – praxisnah und ohne Vereinfachungen.

Kurz zusammengefasst

Qualitätssicherung bei Übersetzungen beschreibt den Gesamtprozess aller Kontroll- und Steuerungsmassnahmen, der von der Auftragsklärung bis zur Endabnahme reicht – mit dem Ziel, reproduzierbar normengerechte Übersetzungsqualität zu liefern.

Die massgeblichen internationalen Normen ISO 17100 und ISO 18587 definieren Anforderungen an menschliche Übersetzungsprozesse respektive das Post-Editing maschinell erzeugter Übersetzungen und bilden die Grundlage für eine zertifizierbare Qualitätsstrategie.

Sprachdienstleister, die Qualitätssicherung systematisch dokumentieren und durch eine externe Zertifizierung nachweisen, verschaffen sich einen messbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber nicht-zertifizierten Anbietern.

Markus Kukla, LinquaCert

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Wichtiger Hinweis

ISO 17100 und ISO 18587 sind zwei eigenständige Normen mit unterschiedlichem Geltungsbereich. ISO 17100 gilt für Übersetzungsprozesse, bei denen kein maschinell erzeugter Übersetzungsoutput verwendet wird. Prozesse, bei denen maschinell erzeugter Output anschliessend durch Post-Editing überarbeitet wird, fallen nicht unter ISO 17100, sondern in den Bereich von ISO 18587. Eine Vermischung beider Normbereiche ist fachlich unzulässig und kann in Audits oder Ausschreibungen zu Problemen führen. Informieren Sie sich daher sorgfältig, welche Norm für Ihren spezifischen Prozess zutrifft.

Das Wichtigste in Kürze

01

Qualitätssicherung ist Prozessarbeit. Sie beginnt nicht bei der Schlusskontrolle, sondern bei der Auftragsklärung, der Qualifikation der Übersetzer und der Einrichtung von Translation Memories und Termdatenbanken.

02

Normen schaffen Messbarkeit. ISO 17100 und ISO 18587 geben strukturierten Rahmen vor und ermöglichen es, Qualitätsniveau gegenüber Kunden und Geschäftspartnern objektiv nachzuweisen.

03

Externe Zertifizierung erhöht den Marktwert. Ein ISO-Zertifikat, ausgestellt durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle, ist in Ausschreibungen und bei internationalen Kunden oft ein entscheidendes Auswahlkriterium.

Praxis-Einschätzung der Experten von LinquaCert

„In der Praxis zeigen Audits immer wieder, dass Übersetzungsbüros zwar linguistisch hochwertige Arbeit leisten, ihren Qualitätssicherungsprozess aber nicht so dokumentieren, dass er für externe Prüfer nachvollziehbar ist. Genau diese Lücke zwischen gelebter Qualität und nachweisbarer Qualität ist es, die eine Zertifizierung schliesst – und die im Markt den Unterschied macht.“

— Experten von LinquaCert


Was bedeutet Qualitätssicherung in der Übersetzung?

Qualitätssicherung bei Übersetzungen – kurz QS – bezeichnet alle systematischen Massnahmen, die ein Sprachdienstleister ergreift, um sicherzustellen, dass Übersetzungsprodukte den definierten Qualitätsanforderungen entsprechen. Dabei handelt es sich nicht um eine einzelne Kontrollmassnahme, sondern um ein integriertes System aus Planung, Durchführung, Prüfung und Dokumentation.

Der Begriff unterscheidet sich bewusst von Qualitätssicherung in anderen Industrien: Während dort physische Messgrössen oder Materialparameter im Vordergrund stehen, geht es bei der Übersetzungsqualitätssicherung um sprachlich-kommunikative Kriterien. Eine Übersetzung ist dann qualitätsgesichert, wenn sie inhaltlich korrekt, terminologisch konsistent, stilistisch angemessen und für die Zielgruppe verständlich ist – und wenn dieser Zustand durch belegbare Prozessschritte erreicht wurde.

Die Entität Translation Quality ist damit mehrdimensional: Sie umfasst linguistische, terminologische, pragmatische und formale Dimensionen. Qualitätssicherung schafft den Rahmen, innerhalb dessen diese Dimensionen reproduzierbar und überprüfbar eingehalten werden.

Welche Ziele verfolgt die Qualitätssicherung bei Übersetzungen?

Die übergeordneten Ziele des Qualitätssicherungsprozesses lassen sich in vier Bereiche gliedern:

  • Fehlerprävention statt Fehlerbehebung: Qualitätssicherung setzt vor dem eigentlichen Übersetzungsvorgang an – durch Auftragsklärung, Qualifikationsprüfung der Übersetzer und Bereitstellung einheitlicher Ressourcen wie Termdatenbanken und Style Guides.
  • Konsistenz über Projekte und Übersetzer hinweg: Terminologische und stilistische Einheitlichkeit muss gewährleistet sein, auch wenn mehrere Übersetzer oder Teams an einem Auftrag beteiligt sind.
  • Normkonformität und Nachweisbarkeit: Zertifizierungsfähige Prozesse erfordern eine lückenlose Dokumentation, die belegt, dass die vereinbarten Schritte tatsächlich durchgeführt wurden.
  • Wettbewerbsfähigkeit: Wer Qualität objektiv nachweisen kann, ist in Ausschreibungen und bei der Neukundengewinnung klar im Vorteil gegenüber Anbietern ohne strukturiertes QS-System.

Wie unterscheidet sich Qualitätskontrolle von Qualitätssicherung im Übersetzungsprozess?

In der Praxis werden die Begriffe Quality Control and Qualitätssicherung oft synonym verwendet. Fachlich bezeichnen sie jedoch unterschiedliche Ebenen des Prozesses:

Qualitätskontrolle (QC – Quality Control) ist reaktiv: Sie prüft ein fertiges oder weitgehend fertiges Produkt auf Fehler und stellt sicher, dass es den Anforderungen entspricht, bevor es ausgeliefert wird. Im Übersetzungskontext gehören dazu die Revision durch einen zweiten Linguisten, automatisierte QA-Prüfungen auf Formfehler sowie die finale Lektoratsrunde.

Qualitätssicherung (QS – Quality Assurance) ist proaktiv: Sie umfasst alle Massnahmen, die dazu beitragen, dass der Übersetzungsprozess von Anfang an so gestaltet ist, dass Fehler möglichst nicht entstehen. Dazu zählen die Auswahl qualifizierter Übersetzer, die Pflege von Translation Memories, die Erstellung projektspezifischer Briefings und die Einrichtung von Qualitätsmanagementsystemen.

Professionelle Sprachdienstleister brauchen beides: ein präventiv ausgerichtetes QS-System und klare Kontrollmechanismen am Ende des Prozesses. ISO 17100 beschreibt beide Ebenen und macht deutlich, dass Qualitätskontrolle allein kein vollständiges Qualitätsmanagementsystem ersetzt.

Welche Qualitätsstandards gelten aktuell für professionelle Übersetzungen?

Die wichtigsten international anerkannten Normen für Sprachdienstleister sind derzeit:

  • ISO 17100:2015 – Norm für Übersetzungsdienstleistungen, die Anforderungen an Kompetenzen, Ressourcen und Prozesse bei menschlichen Übersetzungsworkflows festlegt.
  • ISO 18587:2017 – Norm für das Post-Editing maschinell erzeugter Übersetzungen, die Anforderungen an Post-Editoren und zugehörige Prozesse regelt.
  • ISO 9001:2015 – Allgemeine Qualitätsmanagementsystem-Norm, die auch von Sprachdienstleistern eingesetzt wird und prozessübergreifende Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme definiert.

Es ist bekannt, dass ISO 17100 und ISO 18587 derzeit weiterentwickelt und überarbeitet werden. Solange keine neue verbindliche Norm veröffentlicht ist, gelten die oben genannten Fassungen als massgebliche Grundlage für Zertifizierungen und Ausschreibungsanforderungen.

Neben diesen ISO-Normen spielen branchenspezifische Frameworks wie das MQM-Framework (Multidimensional Quality Metrics) und das ASTM F2575 eine ergänzende Rolle, insbesondere bei der Fehlerklassifikation und Qualitätsbewertung.

Was regelt die ISO 17100 für die Qualitätssicherung von Übersetzungen?

ISO 17100 ist die zentrale Norm für Übersetzungsdienstleistungen ohne Einsatz von maschinell erzeugtem Übersetzungsoutput. Sie legt fest, welche Anforderungen an die beteiligten Personen, die genutzten Ressourcen und den Übersetzungsprozess selbst zu erfüllen sind.

Zu den zentralen Regelungsbereichen der Norm gehören:

  • Qualifikation der Übersetzer: ISO 17100 definiert Mindestanforderungen an Ausbildung, Berufserfahrung und Fachkompetenz der am Prozess beteiligten Übersetzer und Revisoren.
  • Zweistufiger Prozess: Die Norm sieht einen zweistufigen Prozess vor, der Übersetzung und anschliessende Revision durch eine zweite, qualifizierte Person umfasst.
  • Vorbereitung und Auftragsklärung: Vor Projektbeginn sind Anforderungen, Lieferumfang und relevante Ressourcen zu klären und zu dokumentieren.
  • Nachbearbeitung und Abschluss: Die Norm regelt auch Anforderungen an abschliessende Prüfschritte sowie die Übergabe an den Kunden.

Wichtig: ISO 17100 gilt nur für Prozesse, bei denen kein maschinell erzeugter Übersetzungsoutput verwendet und anschliessend durch Post-Editing überarbeitet wird. Sobald dieser Workflowtyp vorliegt, ist stattdessen ISO 18587 der relevante Normrahmen.

Was regelt die ISO 18587 für die Qualitätssicherung bei KI-Übersetzungen?

ISO 18587 regelt die Anforderungen an das Post-Editing maschinell erzeugter Übersetzungen – also an jene Prozesse, bei denen ein maschineller Übersetzungsoutput (MTPE: Machine Translation Post-Editing) durch einen menschlichen Post-Editor überarbeitet wird. Sie ergänzt ISO 17100 dort, wo maschinelle Übersetzung explizit Teil des Workflows ist.

Die Norm adressiert insbesondere:

  • Kompetenzanforderungen an Post-Editoren: Post-Editoren müssen spezifische Fähigkeiten mitbringen, die über klassische Übersetzerkompetenz hinausgehen – darunter die Fähigkeit, maschinenspezifische Fehlertypen zu erkennen und zu korrigieren.
  • Unterscheidung zwischen Full und Light Post-Editing: ISO 18587 differenziert zwischen verschiedenen Überarbeitungsgraden je nach geforderter Outputqualität.
  • Prozessintegration: Die Norm beschreibt, wie Post-Editing-Workflows organisiert und qualitätsgesichert werden, einschliesslich der Anforderungen an die Auftragsklärung und den Leistungsumfang.

Das Konzept Human-in-the-Loop – also die gezielte Einbindung menschlicher Expertise in maschinell gestützte Prozesse – ist im Kontext von ISO 18587 zentral. Qualitätssicherung bei MTPE-Workflows bedeutet, den menschlichen Kontrollschritt nicht als Formalität, sondern als substanzielle Qualitätsgarantie zu gestalten.

Welche Fehlerklassifikationssysteme werden eingesetzt – und was ist das MQM-Framework?

Um Übersetzungsqualität messbar zu machen, braucht es anerkannte Systeme zur Fehlerklassifikation. Sie ermöglichen es, Fehler zu benennen, zu gewichten und zwischen Projekten vergleichbar zu machen.

Das bekannteste und in der Branche am weitesten verbreitete System ist das MQM-Framework (Multidimensional Quality Metrics). Es bietet eine hierarchische Fehlerannotationsstruktur mit Hauptkategorien wie Terminologie, Genauigkeit, Sprachliche Korrektheit, Stil und Formatierung. Jeder Fehler wird einer Kategorie zugeordnet und nach Schwere bewertet – typischerweise in die Stufen kritisch, schwerwiegend und geringfügig.

In der Praxis wird MQM oft in angepasster Form eingesetzt: Unternehmen wählen aus dem Gesamtrahmen jene Kategorien und Schweregrade aus, die für ihr Sprachenpaar, ihre Branche und ihren Kundenkreis relevant sind. Diese MQM-Profile werden dann zur Grundlage von linguistischen Qualitätsbewertungen (LQA) und Revisionsberichten.

Neben MQM existieren weitere branchengängige Klassifikationssysteme wie das SAE J2450-Framework für den Automobilbereich oder proprietäre Fehlerklassifikationsmodelle grosser Endkunden. Die Wahl des richtigen Systems hängt von den Kundenanforderungen und dem Einsatzgebiet ab.

Typische Fehlerkategorien, die in der Praxis klassifiziert werden:

  • Falsche oder fehlende Terminologie
  • Inhaltliche Auslassungen oder Verfälschungen
  • Grammatik- und Rechtschreibfehler
  • Stilbrüche oder unangemessenes Register
  • Formatierungsfehler und nicht umgesetzte Kundenvorgaben

Illustration zu Qualitätssicherung Übersetzung

Wie funktioniert die linguistische Qualitätsbewertung (LQA) bei Übersetzungen?

Die linguistische Qualitätsbewertung (LQA – Linguistic Quality Assessment) ist ein strukturiertes Verfahren, bei dem qualifizierte Prüfer eine Übersetzung anhand eines definierten Fehlerklassifikationssystems bewerten. Ziel ist es, eine reproduzierbare, vergleichbare Aussage über die Qualität einer Übersetzung zu erhalten.

Typischerweise läuft eine LQA so ab:

  1. Ein repräsentatives Textsegment (oft eine definierte Wortanzahl oder ein prozentualer Anteil des Gesamtdokuments) wird ausgewählt.
  2. Ein unabhängiger Linguist prüft das Segment gegen das Ausgangsdokument und annotiert Fehler nach dem vereinbarten Klassifikationssystem.
  3. Fehler werden nach Schwere gewichtet und in einem Score zusammengefasst – z. B. Fehlerpunkte pro 1000 Wörter.
  4. Der Score wird gegen einen vorher definierten Qualitätsschwellenwert geprüft. Liegt er unterhalb des Schwellenwerts, gilt die Übersetzung als qualitätsgesichert.

LQA ist besonders wertvoll zur Lieferantenbeurteilung, zur Erkennung von systematischen Schwachstellen in Translation Memories und zur Dokumentation von Qualitätsniveau gegenüber Kunden. Sie ist kein Ersatz für die Revision, sondern ein ergänzendes Messinstrument.

Welche Rolle spielt das Vier-Augen-Prinzip in der Übersetzungsqualitätssicherung?

Das Vier-Augen-Prinzip ist ein Kernbestandteil des in ISO 17100 beschriebenen Qualitätsprozesses für menschliche Übersetzungsworkflows. Es besagt, dass jede Übersetzung von einer zweiten, qualifizierten Person – dem Revisor – geprüft wird, bevor sie den Kunden erreicht.

The Revisor hat dabei eine andere Aufgabe als ein einfacher Korrektor: Er prüft nicht nur Grammatik und Rechtschreibung, sondern beurteilt die Übersetzung in ihrer Gesamtheit – auf inhaltliche Korrektheit, Terminologietreue, Stilangemessenheit und Zielgruppentauglichkeit. Der Revisor arbeitet bilingual, d. h. er vergleicht Ausgangstext und Zieltext systematisch miteinander.

The Korrektor hingegen arbeitet in der Regel einsprachig und prüft den Zieltext auf sprachliche Richtigkeit, Kohärenz und Formatierung – typischerweise als abschliessender Schritt nach der Revision.

Das Vier-Augen-Prinzip ist kein bürokratischer Formalismus, sondern ein wirkungsvolles Werkzeug zur Fehlererkennung: Selbst erfahrene Übersetzer übersehen eigene Fehler – eine strukturierte zweite Prüfung durch eine unabhängige Fachperson erhöht die Ausgabequalität messbar.

Wie wird MTPE in die Qualitätssicherung integriert?

MTPE – Machine Translation Post-Editing – bezeichnet den Prozess, bei dem maschinell erzeugte Übersetzungen durch einen qualifizierten Post-Editor überarbeitet werden. Die Qualitätssicherung dieses Workflow-Typs erfordert eine eigene, angepasste Vorgehensweise, weil die Fehlertypen und -muster sich von rein menschlichen Übersetzungen unterscheiden.

Zu den wesentlichen QS-Massnahmen bei MTPE-Projekten gehören:

  • Definition des Post-Editing-Umfangs: Vorab muss festgelegt werden, ob Full Post-Editing (publishable quality) oder Light Post-Editing (lediglich verständlicher Output) gefordert ist. Diese Entscheidung beeinflusst den gesamten Qualitätsprozess.
  • Maschinensystemauswahl und -evaluation: Die Qualität des maschinellen Ausgangstexts beeinflusst massgeblich den Aufwand und das Endergebnis. QS beginnt daher mit der Auswahl und Evaluierung des eingesetzten Maschinensystems.
  • Qualifikation der Post-Editoren: ISO 18587 stellt spezifische Anforderungen an Post-Editoren, die über allgemeine Übersetzungskompetenzen hinausgehen.
  • Stichprobenprüfungen und LQA: Weil maschinell erzeugte Texte bestimmte Fehlermuster systematisch wiederholen können, sind gezielte Stichprobenprüfungen ein wichtiges Qualitätsinstrument.

MTPE-Prozesse fallen, wie beschrieben, nicht unter ISO 17100, sondern werden durch ISO 18587 geregelt. Sprachdienstleister, die beide Prozesstypen anbieten, benötigen entsprechend getrennte QS-Strukturen und Dokumentationsnachweise.

Wie unterscheidet sich die Qualitätssicherung bei KI-Übersetzungen von menschlichen Übersetzungen?

Sowohl bei rein menschlichen als auch bei maschinell gestützten Übersetzungsprozessen steht am Ende das Ziel einer korrekten, konsistenten und zielgruppenadäquaten Übersetzung. Die Qualitätssicherungsprozesse unterscheiden sich jedoch in mehreren Dimensionen:

Dimension Menschliche Übersetzung (ISO 17100) MTPE (ISO 18587)
Fehlerprofil Individuelle Fehler, abhängig von Kompetenz und Fachgebiet Systematische Muster, Halluzinationen, kontextblinde Fehler des Maschinensystems
Hauptprüfschritt Revision durch zweiten Linguisten (bilingual) Post-Editing durch qualifizierten Post-Editor
Massgebliche Norm ISO 17100 ISO 18587
Qualitätsmessung LQA, MQM-basierte Fehlerannotation LQA + automatisierte Metriken (z. B. BLEU-Score als Hilfsgrösse)
Human-in-the-Loop Zentrales Prinzip (Übersetzer + Revisor) Entscheidend, um Maschinenoutput zu validieren und Fehler zu korrigieren

Welche automatisierten QA-Tools werden in der Übersetzungsbranche eingesetzt?

Automatisierte QA-Tools (Quality Assurance Tools) sind in modernen Übersetzungsworkflows nicht mehr wegzudenken. Sie prüfen Übersetzungen systematisch auf eine Vielzahl formaler und terminologischer Fehler, die manuell schwer zu erfassen wären.

Typische Funktionen automatisierter QA-Tools umfassen:

  • Konsistenzprüfung: Werden gleiche Quellsegmente immer gleich übersetzt?
  • Terminologieprüfung: Werden vorgeschriebene Termini aus der Termdatenbank verwendet?
  • Zahlen- und Datumsformate: Sind numerische Angaben korrekt übertragen?
  • Nicht übersetzte Segmente: Wurden alle Textelemente übersetzt?
  • Doppelleerzeichen, fehlende Satzzeichen, Formatierungsinkonsistenzen
  • Übereinstimmung mit Translation-Memory-Vorschlägen

Diese Tools sind in der Regel direkt in CAT-Tools (Computer-Assisted Translation Tools) integriert. Führende CAT-Umgebungen bieten integrierte QA-Module, die Übersetzer und Revisoren während des gesamten Projekts unterstützen.

Wichtig zu verstehen: Automatisierte QA-Tools ersetzen nicht die menschliche Revision. Sie ergänzen den menschlichen Prüfprozess um eine regelbasierte, skalierbare Fehlererkennungsschicht – insbesondere bei grossen Textmengen und mehrsprachigen Projekten.

Wie messen Sprachdienstleister Übersetzungsqualität objektiv?

Objektive Messung von Übersetzungsqualität kombiniert in der Praxis menschliche Beurteilung und automatisierte Metriken. Weder allein die linguistische Experteneinschätzung noch rein automatisierte Werte liefern ein vollständiges Bild.

Der BLEU-Score (Bilingual Evaluation Understudy) ist eine automatisierte Metrik, die ursprünglich für maschinelle Übersetzungssysteme entwickelt wurde. Er misst, wie stark eine maschinell erzeugte Übersetzung mit menschlichen Referenzübersetzungen übereinstimmt. Als alleiniges Qualitätsmass für Post-Editing oder menschliche Übersetzung ist er ungeeignet, weil er semantische Qualität, Stil und Pragmatik nicht erfassen kann. Im Kontext von MTPE wird er jedoch als ergänzende Hilfsgrösse zur Systemauswahl und -evaluation verwendet.

Für die praxisnahe, an ISO-Normen orientierte Qualitätsmessung ist die Kombination aus folgenden Instrumenten bewährt:

  • LQA-Scores auf Basis von MQM oder vergleichbarer Fehlerklassifikation
  • Fehlerrate pro definierter Textmenge (z. B. Fehlerpunkte pro 1000 Wörter)
  • Vergleich gegen definierte Qualitätsschwellenwerte (Pass/Fail-Logik)
  • Automatisierte QA-Tool-Berichte als ergänzende Datenbasis

Welche Dokumentationspflichten gehören zur Qualitätssicherung – und wie baut ein Übersetzungsbüro einen vollständigen QS-Prozess auf?

Qualitätssicherung ist nur dann auditierbar, wenn sie lückenlos dokumentiert ist. Dokumentation bedeutet nicht bürokratischen Aufwand um seiner selbst willen, sondern die Fähigkeit nachzuweisen, dass definierte Prozessschritte tatsächlich stattgefunden haben.

Zu den typischen Dokumentationsbestandteilen eines normenorientierten QS-Prozesses gehören:

  • Qualifikationsnachweise für Übersetzer, Revisoren und Post-Editoren
  • Auftragsunterlagen mit dokumentierter Anforderungsklärung
  • Revisionsberichte und LQA-Protokolle
  • Fehlerprotokolle und Massnahmen zur Fehlerprävention
  • Nachweis über eingesetzte Ressourcen (Translation Memories, Termdatenbanken, Style Guides)

Der strukturierte Aufbau eines vollständigen QS-Prozesses folgt dabei einer klaren Reihenfolge:

Schritt 1: Anforderungen definieren

Welche Qualitätsziele gelten für welche Sprachkombinationen und Fachbereiche? Kundenvorgaben und Normanforderungen abgleichen.

Schritt 2: Ressourcen aufbauen

Translation Memories pflegen, Termdatenbanken einrichten, Style Guides erstellen. Diese Ressourcen sind die Grundlage terminologischer Konsistenz.

Schritt 3: Qualifizierte Personen auswählen und dokumentieren

Qualifikationsnachweise einholen, prüfen und archivieren. ISO 17100 und ISO 18587 stellen jeweils spezifische Anforderungen an die beteiligten Personen.

Schritt 4: Prozessschritte definieren und umsetzen

Übersetzung, Revision, ggf. Lektorat, QA-Tool-Prüfung und Freigabe als definierte, sequenzielle Schritte mit klaren Verantwortlichkeiten.

Schritt 5: Messen, dokumentieren und verbessern

LQA-Ergebnisse auswerten, Fehlermuster identifizieren, gezielte Massnahmen ableiten und erneut prüfen. Qualitätssicherung ist ein kontinuierlicher Kreislauf.

Welche Qualifikationen müssen Revisoren in der Übersetzungsqualitätssicherung mitbringen?

Der Revisor ist eine Schlüsselperson im Qualitätssicherungsprozess. Seine Aufgabe ist anspruchsvoller als die des Übersetzers allein, weil er nicht nur einen Text produziert, sondern ein fremdes Übersetzungsprodukt kritisch beurteilt und verbessert.

ISO 17100 nennt spezifische Kompetenzanforderungen, zu denen in der Norm unter anderem zählen:

  • Kompetenz in der Ausgangs- und Zielsprache
  • Fachliche Kenntnisse im betreffenden Themenbereich
  • Kenntnisse der Übersetzungskompetenz (Fähigkeit zu beurteilen, ob und wie eine Übersetzungsentscheidung korrekt ist)
  • Erfahrung mit Revisionstechniken und -methoden

In der Praxis sollte der Revisor nicht identisch mit dem Übersetzer sein – das Vier-Augen-Prinzip setzt eine unabhängige Zweitmeinung voraus. Übersetzungsbüros müssen sicherstellen, dass sie die Qualifikationen ihrer Revisoren dokumentieren und beim Einsatz für spezifische Fachgebiete prüfen.

Wie sichern Translation Memories und Termdatenbanken die Übersetzungsqualität?

Translation Memories (TM) sind Datenbanken, in denen bereits übersetzte Segmentpaare (Ausgangssprache – Zielsprache) gespeichert werden. Bei neuen Übersetzungsprojekten werden diese Paare mit dem neuen Ausgangstext abgeglichen und als Übersetzungsvorschläge bereitgestellt. Das erhöht die Konsistenz über Projekte und Übersetzer hinweg erheblich – und reduziert das Risiko, dass gleiche Begriffe oder Sätze unterschiedlich übersetzt werden.

Termdatenbanken – auch Terminologiedatenbanken oder Glossare – definieren verbindliche Übersetzungen für Fachbegriffe, Produktnamen, Markenbezeichnungen und unternehmensspezifische Begriffe. Sie sind die Grundlage terminologischer Qualität und ermöglichen es, Konsistenz auch über grosse Teams und lange Projektlaufzeiten zu gewährleisten.

Beide Ressourcen entfalten ihren Nutzen nur dann vollständig, wenn sie gepflegt und aktuell gehalten werden. Veraltete Translation Memories oder fehlerhafte Terminologieeinträge wirken sich negativ auf die Qualität aus und können Fehler systematisch reproduzieren. Die Pflege dieser Ressourcen ist daher selbst ein Bestandteil des Qualitätssicherungssystems.

Entscheidungsübersicht: ISO 17100 oder ISO 18587 – welche Norm gilt für Ihren Prozess?

Kriterium ISO 17100 ISO 18587
Prozesstyp Menschliche Übersetzung ohne maschinell erzeugten Übersetzungsoutput Post-Editing von maschinell erzeugten Übersetzungen
Hauptbeteiligte Übersetzer, Revisor Post-Editor (mit spezifischen Kompetenzen)
Maschineneinsatz Kein maschinell erzeugter Output, der nachträglich überarbeitet wird Maschinell erzeugter Output als Ausgangspunkt des Post-Editings
Zertifizierbar durch LinquaCert Ja Ja
Normenentwicklung Aktuell gültig (ISO 17100:2015); Überarbeitung im Gang Aktuell gültig (ISO 18587:2017); Überarbeitung im Gang

Hinweis: Beide Normen werden derzeit überarbeitet. Solange keine neue verbindliche Fassung veröffentlicht ist, gelten die oben genannten Normen als massgebliche Grundlage.


Illustration zu Qualitätssicherung Übersetzung

Häufige Fragen zur Qualitätssicherung bei Übersetzungen

Kann ein Übersetzungsbüro gleichzeitig nach ISO 17100 und ISO 18587 zertifiziert sein?

Ja, wenn ein Übersetzungsbüro beide Prozesstypen anbietet – menschliche Übersetzung und MTPE –, kann es für beide Normen separate Zertifizierungen anstreben. Voraussetzung ist, dass beide Prozesse vollständig getrennt dokumentiert und organisiert sind. LinquaCert bietet entsprechende Zertifizierungen für beide Normen an.

Ist ein ISO-Qualitätsnachweis auch für kleinere Übersetzungsbüros sinnvoll?

Ja. Gerade kleinere Büros ohne eigene Marketingabteilung profitieren davon, ihre Qualitätsprozesse mit einem anerkannten ISO-Zertifikat zu belegen. Bei Ausschreibungen und in der Neukundengewinnung ist die nachgewiesene Norm-Konformität oft ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal gegenüber Mitbewerbern ohne entsprechenden Qualitätsnachweis.

Was unterscheidet LinquaCert als Zertifizierungsstelle von einer akkreditierten Stelle?

LinquaCert ist eine unabhängige Schweizer Zertifizierungsstelle, die nach den Grundsätzen von ISO/IEC 17021 arbeitet, jedoch keine staatliche Akkreditierung hält. Akkreditierung und Zertifizierung sind fachlich unterschiedliche Begriffe. LinquaCert stellt ISO-Zertifikate aus, die auf einem strukturierten Auditverfahren basieren und international anerkannt werden.

Qualitätssicherung nachweisbar machen – mit LinquaCert

Viele Sprachdienstleister leisten täglich gute Arbeit – aber ohne strukturierten Nachweis bleibt diese Qualität unsichtbar. Eine Zertifizierung nach ISO 17100 oder ISO 18587 durch LinquaCert macht Ihren Qualitätssicherungsprozess für Kunden, Partner und Ausschreibungsverantwortliche transparent und benchmarkfähig.

LinquaCert begleitet Sie als unabhängige Schweizer Zertifizierungsstelle durch den gesamten Prozess: von der unverbindlichen Erstberatung über das Audit bis zur Ausstellung Ihres ISO-Zertifikats. Als Genossenschaft mit Sitz in Zürich arbeitet LinquaCert seit 2003 nach den Grundsätzen von ISO/IEC 17021 – neutral, transparent und ausschliesslich auf Sprachdienstleister spezialisiert.

Ob Sie Ihren bestehenden Qualitätssicherungsprozess zertifizieren möchten oder noch dabei sind, ihn aufzubauen – wir begleiten Sie mit konkretem Fachwissen und einem strukturierten Auditprozess.


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